Mein Erasmus-Rückblick
Seit meinem ersten Blogbeitrag auf dieser Seite sind fast fünf Monate vergangen. Damals hatte ich
noch gedacht, dass mein Erasmus im Dezember schon vorbei sein würde. Vor allem hätte ich aber nach den ersten beiden Wochen niemals gedacht, dass dieses Semester so viel Spass machen würde. Darum
gleich zu Beginn zu der wichtigsten Frage bei einem solchen Rückblick: Würde ich es wieder machen?
Auf jeden Fall!
(Aber vielleicht nicht gleich innerhalb des nächsten Jahres, denn so ein Semester ist doch auch ziemlich anstrengend…)
Spass beiseite, dieses Semester war eine grossartige Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Und ja, dieser Rückblick wird vermutlich nicht gross anders sein, als was man sonst
üblicherweise von solchen Ausland-Rückkehrern hört. Aber ich habe trotzdem das Bedürfnis, mich mitzuteilen und es ist ja schliesslich mein Blog :)
Jemand hat mir einmal gesagt, Erasmus seien nicht einfach einige Monate deines Lebens, sondern dein Leben in
einigen Monaten. Das würde ich bestimmt nicht so drastisch ausdrücken, aber es war auf jeden Fall eine gute Zeit und vor allem eine bessere Zeit als ich jemals erwartet hätte!
Was nicht heisst, dass es nicht auch schlechte Zeiten gab, vor allem am Anfang. Ich habe mich aufgeregt, Stunden um Stunden vor Büros vergeudet, war wütend, verzweifelt, einsam, habe geweint und
mich mehr als einmal gefragt, warum ich mir diesen Irrsinn antue. Aber das steht in keinem Vergleich zu all den schönen Dingen, die ich erlebt habe. Und das ist es, was schliesslich zählt,
oder?
Ein Austauschsemester machen zu wollen, war eine komplett egoistische Entscheidung von mir. Ich wollte etwas von der Welt sehen, ich wollte mein Italienisch verbessern, ich habe mich nach Meer
und Sonne gesehnt und vor allem wollte ich nach den letzten anstrengenden drei Sommern auch einfach eine Pause. Den Preis, den dieses Semester haben würde (längere Studienzeit, ein paar Projekte,
die ich in der Schweiz verpasst habe, der Ausfall meiner Stipendien etc.) war ich bereit zu zahlen. Und es war eine gute Entscheidung! :)
Damit zur nächsten Frage: Wie war Napoli als temporäre Heimat?
Neapel ist sehr, sehr vielseitig und hat dementsprechend auch für jeden etwas zu bieten. Man kann für wenig Geld feiern gehen, in der Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche Naturschönheiten zu entdecken und die Stadt selbst hat mit den unzähligen Museen und Kirchen auch für Kulturliebhaber viel zu bieten. Es ist aber auch eine schmutzige und laute Stadt und gerade in der Altstadt herrscht ein ständiges Gedränge. Man wird permanent von Motorrädern überholt, und zwar so, dass gerade noch ein Finger zwischen den Fahrern und den Fussgängern bleibt, ständig will jemand dir irgendetwas verkaufen und dazu kommt das ununterbrochene Gebrüll der Verkäufer. Die Müllsituation ist mittlerweile sicherlich viel besser als sie es früher war, zumindest habe ich es mir viel schlimmer vorgestellt, aber ein gewisses Abfallproblem kann doch nicht von der Hand gewiesen werden. Gerade abends, wenn die Leute ihren Müll rausstellen, verwandeln sich schmale Strassen gerne einmal in temporäre Müllkippen, die dann je nach der Streiksituation der Müllabfuhr auch einmal ein paar Tage lang so bleiben kann. Die Stadt hat also sicherlich Probleme, was man auch an den vielen bröckelnden Gebäuden, der durchaus sichtbaren Armut und dem miserablen Zustand der öffentlichen Universitäten offensichtlich sehen kann. Aber es ist eben auch eine wunderschöne Stadt. Dazu trägt natürlich die unglaubliche Lage im Golf von Neapel bei, aber auch die Altstadt mit ihren engen Gassen und ihrem etwas afrikanischen Flair ist ein Besuch wert. Ich habe mich in der Stadt auf jeden Fall wohlgefühlt, auch wenn ich am Anfang durchaus etwas reizüberflutet war. Aber das ständige Treiben, der wilde Enthusiasmus der älteren Italiener, wenn sie sich auf der Strasse treffen, die Kaffeekultur und auch die angenehmen Temperaturen haben es mir angetan. Als ich neu angekommen war, traute ich mich nach Sonnenuntergang kaum mehr aus dem Haus. Mit der Zeit habe ich dann herausgefunden, dass man sich abends in Napoli durchaus auch bewegen kann, wenn man etwas gewissen Menschenverstand walten lässt. Ich will nicht behaupten, dass Napoli eine sichere Stadt ist, insbesondere gewisse Quartiere sollte man als Tourist nachts auf jeden Fall meiden, aber ich würde behaupten, solange man etwas mitdenkt, ist Neapel sicherlich nicht gefährlicher als andere Grossstädte. Eine gute Freundin von mir hat gemeint, als wir versucht haben unsere Faszination für Napoli in Worte zu fassen, dass man diese Stadt auf eine andere Art zu lieben lernt. Wohl war, ich sehe immer noch das Chaos, den Lärm, den Schmutz, aber ich liebe die vielen anderen Facetten dieser Stadt.
Ich habe in dieser Zeit so viele grossartige Dinge erlebt, dass ich sie hier unmöglich alle auflisten kann.
Daher an dieser Stelle nur ein kleiner Ausschnitt.
Das wahrscheinlich erste Highlight war für mich der Besuch meiner Familie, denn damit hatte ich etwas, vorauf ich mich auch in den ersten schwierigen Tagen freuen konnte. Wir hatten schon lange
keine gemeinsamen Herbstferien mehr und es hat eine Menge Spass gemacht, etwas gemeinsame Zeit am Meer zu verbringen. Wir haben geschwommen, geplaudert, gelacht, Wein getrunken und uns Matera
angeschaut, eine sehr faszinierende Stadt.
Nach der Verabschiedung von meiner Familie musste ich mich erst einmal etwas fassen und habe mich selbst mit einem intensiven Programm beschäftigt, was es mir wesentlich leichter gemacht hat,
endgültig in der Stadt anzukommen.
Ein Teil davon war ein Wochenende in Ischia, was zum einen Freude gemacht hat, weil ich ein Zimmer für mich allein hatte, aber auch die Insel hat es mir angetan. Das Wetter war traumhaft, es war
noch richtig warm! Ich habe gebadet, bin auf den höchsten Berg gestiegen, habe mir einen unfassbar schönen Sonnenuntergang angesehen und es genossen, Zeit ganz für mich allein zu haben.
Kaum war ich aus Ischia zurück, habe ich einen ziemlich seltsamen Empfang beim Bürgermeister mitgemacht, ein Event, das etwa vier Stunden gedauert hat und bei dem alle möglichen Menschen endlose
Ansprachen gehalten haben. Danach gab es einen Apero und wir wurden regelrecht genötigt, das Büro des Bürgermeisters zu besichtigen. Eine seltsame, aber durchaus unterhaltsame
Veranstaltung!
Noch am selben Abend ging es gleich weiter zum nächsten Programmpunkt, einer völlig verrückten Reise nach Sizilien. Es war von Anfang an klar, dass es eine anstrengende Reise sein würde, immerhin
verbringen wir die ganze Nacht im Bus, aber niemand von uns konnte ahnen, vorauf wir uns hier eingelassen hatten. Denn schon nach wenigen Stunden Reise blieb unser Bus plötzlich mitten auf der
Autobahn liegen. Und so verbrachten wir die gesamte Nacht erst auf und dann an der Autobahn, bis wir dann nach über 11 Stunden mit einem neuen Bus endlich weiterfahren konnten. Wir haben uns
Palermo angesehen, auch wenn es am Abend schon nach kurzer Zeit angefangen hat zu schütten und wir aufgrund von Hunger und Erschöpfung nicht besonders aufnahmefähig waren. Am anderen Morgen blieb
dann zum Glück noch etwas Zeit zur Erkundung, bevor wir wieder in den Bus stiegen. Als dieser dann in der Peripherie von Palermo schon wieder liegen blieb, glaubten wir erst an einen Scherz. Aber
das war es nicht, und schon verbrachten wir noch einmal sechs Stunden mit Warten. Glücklicherweise verlief dann der Rest der Reise einigermassen nach Plan, wir haben die Scala dei Turchi gesehen,
das Valle dei Templi besucht, in Agrigento ein fabelhaftes Frühstück genossen, Catania und Taormina besichtigt. Vor allem war diese Reise aber eine grossartige Möglichkeit tolle Menschen
kennenzulernen, nicht zu letzt, weil wir so viel Zeit mit Warten verbrachten. Ein Grossteil meines Freundeskreises in Napoli entstand in diesen Tagen.
Der zweite Teil meines Freundeskreises bestand aus meinen Gspännli im Italienischkurs, auch hier blieb ordentlich Zeit zum Kennenlernen, schliesslich haben wir jede Woche sechs Stunden Grammatik
gemeinsam durchgestanden. Dank diesen Leuten hat der Kurs tatsächlich jede Menge Spass gemacht.
Ich hatte dann Anfangs Dezember Besuch von meiner Gotta und ihrem Partner, weshalb wir ein paar sehr vergnügliche Tage zusammen verbringen konnten. Ich habe ihnen ein bisschen die Stadt gezeigt
und dafür haben sie mich mit ihrer Anwesenheit gut unterhalten.
Während der November eine ziemlich regnerische Angelegenheit war, präsentierte sich der Dezember dann wieder sehr sonnig und mit sehr, sehr viel kitschiger Weihnachtsbeleuchtung. Die Lichter in
Salerno sind besonders berühmt, weshalb ich mit einigen Freuden Mitte Dezember dahin gefahren bin, um mir die «Luci» anzusehen und um uns in einem bekannten Lokal den Bauch vollzuschlagen.
Wenige Tage später haben wir dann zusammen auch noch ein Vorweihnachtsessen organisiert, mit mehreren Gängen und Wichteln. Dieser Abend war wohl einer der schönsten meiner ganzen Zeit in Napoli.
Wir haben sehr viel gelacht!
Nachdem ich dann meine Italienischprüfung hinter mich gebracht hatte, habe ich noch mit einer Freundin Pizza am Meer gegessen, bevor ich nach Hause gefahren bin. Was für ein Abschluss dieser
Hauptphase meines Aufenthalts!
In den folgenden beiden Monaten bin ich dann mehrmals zwischen Napoli und zuhause hergependelt, weil meine letzte Prüfung in Neapel gerade einmal fünf Tage von meinem Semesterstart in der Schweiz
auseinanderlag. Daher musste ich zwischendurch nach Hause kommen, um mein Leben etwas zu organisieren. Die Tage, die mir jedoch in Napoli blieben, habe ich genutzt um mir so einige Sonnenauf- und
Untergänge anzusehen, davon kann ich einfach nicht genug bekommen. Ansonsten habe ich mich durch zwei Prüfungen gequält, das Bestehen ebendieser gefeiert, mich von zahlreichen Freunden
verabschiedet und noch einige Male gut gegessen. Auch wenn die Prüfungen stressig waren und ich natürlich auch lernen musste, habe ich diese Zeit doch genossen.
Meine Zeit in Napoli war wunderschön (ja, auch sehr anstrengend, aber im Rückblick tendiert man ja dazu, sich
nur noch an die guten Sachen zu erinnern) und ich bin unfassbar froh, dieses Abenteuer gewagt zu haben. Ich gebe zu, es waren nicht die produktivsten Monate meines Lebens und höchst
wahrscheinlich war es auch nur mässig sinnvoll mit Blick auf mein Studium. Aber es war eine gute Zeit, in der ich Freunde gefunden, meinen Horizont erweitert und ziemlich viel gelernt habe. Das,
wenn man Vertrauen hat, die meisten Probleme sich schon irgendwie lösen lassen, dass ich offenbar mutiger bin, als ich selbst gedacht hätte, dass Geduld wirklich eine Tugend ist und vor allem,
dass man wirklich überall Freunde finden kann, wenn man sich darauf einlässt. Mein Wort für Napoli (und die Zeit, die ich hier verbracht habe, ist denn auch «Fiducia», italienisch für Vertrauen)
Und dass Menschen schlussendlich doch alle einfach nur Menschen sind, egal welche Herkunft, Hautfarbe oder Religion sie haben. (Nicht, dass ich das nicht vorher schon gewusst hätte, aber
beispielsweise der Besuch in der vatikanischen Pinakothek mit zwei Musliminnen oder das Abendessen zwischen einem Palästinenser und einem Israeli, die beste Freunde waren, haben aus diesem Wissen
eine greifbare Erfahrung gemacht)
Ich bin ehrlich gesagt aber auch ganz schön stolz auf mich selbst. Das ich dieses Abenteuer gewagt habe zum einen, denn schon allein der Gedanke daran hat mir Angst gemacht, aber meine Neugier
darauf war offenbar grösser. Aber auch, dass ich es trotz gewissen Zweifeln am Anfang durchgezogen habe, dass ich mich durch den bürokratischen Dschungel gekämpft habe, dass ich schliesslich auch
alle Prüfungen bestanden habe. Ich war während dieser Zeit so oft ausserhalb meiner "Komfort-Zone", dass ich schon fast vergessen habe, wie sich das anfühlt. Ich habe gelernt, dass es sich lohnt,
Risiken zu wagen, dass es gar nicht so schwierig ist, in kurzer Zeit neue Freunde zu finden, wenn man sich darauf einlässt und wie schön es ist, auch einfach einmal einen Tag oder zwei ganz
alleine zu sein.
Ein Ereignis in meinen letzten beiden Erasmuswochen hat meine Dankbarkeit für diese Entscheidung und alles, was ich erleben durfte noch um einiges verstärkt. Nina, eine Erasmus-Studentin aus Belgien, die ich zwar nicht gut kannte, aber mit der ich doch ein paar lustige Stunden verbracht habe, ist ganz plötzlich verstorben. Das hat viele von uns sehr getroffen, weil es uns vor Augen geführt hat, wie schrecklich schnell ein Leben zu Ende sein kann. Umso froher bin ich, dieses Semester gewagt zu haben und mir selbst auch erlaubt zu haben, diese Auszeit zu nehmen.
Um nun doch noch mit einem positiven Punkt zu enden: das Gefühl, was in mir zurückbleibt, wenn ich an Napoli
denke, ist vor allem Dankbarkeit.
Danke an diese faszinierende Stadt, dass sie mich als temporären Bewohner geduldet hat
Danke an all die wunderschönen Sonnenauf- und Untergänge, die ich bewundern durfte
Danke an die lieben Leute vom Hostel, die diesen Ort trotz allem zu einem Zuhause für mich machten
Danke für all das gute Essen, den Kaffee und den Sonnenschein
Danke für all die guten Gespräch
Und vor allem Danke für all die grossartigen Menschen, die ich kennen lernen durfte.
Here we go again, Napoli, ci vediamo presto!
Vermutlich sind nicht alle Fan von diesem mehrsprachigen Titel :) Aber ich persönlich empfinde es als grosses Privileg, mittlerweile so mühelos zwischen drei Sprachen hin- und herwechseln zu können. Englisch nutze ich auch in der Schweiz fast täglich,
sei es, weil ich mich mit meinen Mitbewohnern in Basel aus aller Welt unterhalte oder weil ich Medien wie Filme, Youtube-Videos oder Podcasts konsumiere. Italienisch ist sicherlich auch immer
noch die schwächste meiner drei Fremdsprachen (ja, auf eine gewisse Art und Weise empfinde ich auch Hochdeutsch als Fremdsprache), aber auch wenn in Napoli nicht wirklich Italienisch geredet wird
und ich mit vielen Freunden Englisch spreche, ist mein Italienisch doch wesentlich besser geworden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Prüfung, die ich diese Woche hatte. Kunstgeschichte. Ich war
wahnsinnig gestresst vorher, weil all meine Prüfungen mündlich sind, aber es stellte sich heraus, dass dies nicht mein grösstes Problem sein würde. Offenbar hatte ich auch ein bisschen Pech mit
meiner Prüfung, alle die ich kenne und die dieses Fach ebenfalls belegt hatten, bekamen ziemlich generelle Fragen gestellt, während ich zu ganz spezifischen Kunstwerken etwas sagen sollte und
mich muss zugeben, ich habe nicht gerade brilliert (aber zum Glück trotzdem ganz passabel bestanden :)) Das Gute daran war jedoch, dass ich so dermassen über die Fragen gestresst war, dass ich mir absolut keine Gedanken über mein Italienisch gemacht habe. Auch wenn der Dozent mich
in der Hälfte der Prüfung leicht verwirrt gefragt hat, woher ich eigentlich komme. Nein, ich bin nicht einfach unfähig, meine Muttersprache zu sprechen, sondern ich wage dieses Unterfangen in
einer Fremdsprache.
Nach all diesem Chaos und Stress ist es dann umso schöner, mich am Abend mit Freunden zum Abendessen und Teilen von Sorgen und Stress treffen zu können.
Die folgenden Tage verbringe ich mit einigen Spaziergängen durch die Strassen Napolis, denn bald heisst es ja für mich dann Abschied nehmen, vor allem aber mit Lernen. Ein Highlight war
sicherlich mein zweiter Besuch auf dem Castel St. Elmo. Dass ich dafür zwei Euro Eintritt bezahlen muss, ist mir egal, denn der Ausblick (und vor allem der Sonnenuntergang) ist einfach
fantastisch! Wunderschön.
Am Wochenende habe ich mich mit Freunden zum Frühstück getroffen, habe einen langen Spaziergang gemacht und am Sonntagabend habe ich mich dann von noch einer Freundin verabschieden müssen.
Der Montag hat dann von meinen Nerven alles abverlangt! Ich hatte eine weitere mündliche Prüfung und das allein genügt eigentlich schon, um mich sehr nervös zu machen, und wenn die Prüfung dann
auch noch in einer Fremdsprache stattfindet umso mehr. Noch viel schlimmer war aber, dass meine Klassenkameraden dabei auch noch im gleichen Raum sind, was mich wegen meinem Italienisch noch
nervöser gemacht hat und der absolute Gipfel war dann, dass ich den ganzen Tag darauf gewartet habe, dranzukommen, nur um dann um 7 völlig fertig nach Hause geschickt zu werden. Meine Pläne für
den Abend konnte ich danach natürlich vergessen, alles was ich noch wollte war schlafen.
Also stehe ich am Dienstag beizeiten auf, repetiere noch einmal und um zehn trabe ich noch einmal an. Um dann eine geschlagene Stunde auf das Auftauchen der Dozentin zu warten. Als ich die
Prüfung endlich hinter mir habe, bin ich mehr als nur erleichtert! Und ich freue mich extrem auf die Ordnung in der Schweiz! Danach bleibt allerdings nicht mehr allzu viel Zeit. Ich muss noch
meine Unterlagen zusammenstellen, fertig packen, meine Mietkaution zurückbekommen und weil man sich ja sonst nichts gönnt, mache ich am Mittwoch auch noch einen Ausflug nach Capri. Man hätte
denken können, dass ich nach der leicht traumatisierenden Überfahrt nach Procida alles daransetzen würde, nie wieder einen Fuss auf so ein kleines Boot zu setzen. Aber weit gefehlt. Ich mache den
genau gleichen Fehler noch einmal… Zwar ist das Boot ein kleines bisschen angenehmer, weil es einen kleinen Aussenbereich gibt, aber davon abgesehen ist es doch eine sehr wilde Überfahrt. Die
Insel ist allerdings sehr schön und es hat kaum andere Touristen. Dafür sind die Einheimischen sehr freundlich und grüssen einen überall auf der Strasse. Ich geniesse den Blick aufs Meer, die
ersten Blüten und vor allem die warmen Temperaturen! In der Sonne wird es bis 23° Grad warm! Am Abend nehme ich dann die Fähre zurück, was wesentlich angenehmer ist. Dann bleibt mir nur noch ein
kleiner Spaziergang durch die Altstadt, ein letztes Eis und dann gehe ich beizeiten schlafen.
Und nun sitze ich schon wieder im Zug nach Hause. Heute Morgen war ich noch mit ganz lieben Freunden frühstücken und jetzt gilt es ernst, mein Auslandsemester ist offiziell vorbei. Damit geht
eine unglaubliche Erfahrung zu Ende. Ich habe mich in Napoli verliebt, unfassbar nette Menschen kennengelernt und es war grossartig, für ein paar Monate das Meer vor der Nase zu haben. Aber jetzt
gilt es wohl wieder ernst. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich Mitte September in diesem Zug sass, der allerdings in die andere Richtung fuhr. Ich war so voller
Angst und Sorge, was wohl auf mich zukommen würde. Ich hatte gehofft, dass ich eine gute Zeit haben würde (auch wenn ich es mir in diesem Moment kaum vorstellen konnte…) und meine Hoffnungen
wurden mehr als übertroffen! Nun sitze ich hier, mit Vorfreude auf ein normales Leben zuhause, und mit ganz viel Nostalgie. Aber mehr dazu später. In den nächsten Tagen wird noch ein fundierterer
Rückblick online kommen, der meine Erfahrungen berichten soll. Aber vorher heisst es jetzt für mich erst einmal ankommen und wieder in die Realität zurückfinden.
Kunstgeschichte, praktisch und theoretisch
Und wieder einmal sitze ich im Zug zwischen Roma und Napoli. So langsam scheint das zu einer Gewohnheit zu
werden ;O In den letzten zwei Wochen gab es hier kaum Updates, weil ich gerade fleissig dabei bin, für meine Prüfungen zu lernen. Dafür, und um mein nächstes Semester vorzubereiten, bin ich noch
einmal für ein paar Tage in die Schweiz gefahren, wo ich ein wesentlich ruhigeres Arbeitsklima vorfand. Bevor ich aber aus dem sonnigen Napoli wieder zurück in die Schweiz gefahren bin, habe ich
noch einen Abstecher in die Kunststadt Firenze gemacht, quasi eine Bildungsreise als Vorbereitung für meine kommende Prüfung in Kunstgeschichte.
Und ich bin schwer beeindruckt von dieser Stadt. Zwar war es wesentlich kälter als im Süden, aber dafür auch wesentlich ruhiger. Als die Stadführerin uns vor dem chaotischen Verkehr gewarnt hat,
musste ich schmunzeln. Im Vergleich zu Napoli ist der Verkehr hier nämlich perfekt geordnet.
Mein ganzes Gepäck in das Hostel zu schleppen war trotz der Nähe zum Bahnhof ein Kraftakt, aber dann hatte ich ein sehr nettes und vor allem gut geheiztes Zimmer als Basislager für meine
Erkundungen. Den ersten Nachmittag habe ich genutzt, um mich etwas umzusehen und den wirklich eindrücklichen Duomo zu bestaunen. Nach Sonnenuntergang bin ich dann auf den Glockenturm gestiegen
und habe das Lichtermeer zu meinen Füssen bestaunt. Abendessen gab es dann auf dem Mercato Centrale, wo ich wahnsinnig leckere Pasta in einem unterhaltsamen Ambiente genossen habe.
Den Sonntag habe ich dann für zahlreiche Museumsbesuche genutzt. Daher stand ich einigermassen beizeiten auf und stand schon kurz vor neun vor den berühmten «Uffizi». Ich hatte erwartet, eine
ganze Weile anstehen zu müssen, aber Nebensaison sei Dank konnte ich einfach hineinspazieren. Der Besuch war wirklich eindrücklich und umso spannender, da ich mich auch gerade mit der
Kunstgeschichte auseinandersetze. Nach über drei Stunden in den langen Gängen des Museums war ich dann allerdings ziemlich erschöpft und war ganz froh, eine Weile vor der Galleria dell’Accademia
anstehen zu müssen. Das war optimal um den Kopf zu lüften und lange gedauert hat es auch nicht. Ich war aber auch ganz froh, dass dieses Museum wesentlich weniger umfangreich ist und nachdem ich
mir den berühmten David von Michelangelo angesehen habe, gab es nicht mehr allzu viel anderes zu sehen, was mich wahnsinnig interessiert hätte. Den Rest des Abends verbrachte ich wieder mit
Bummeln und wahnsinnig leckerem Glace. Am Montag habe ich dann auf einer Stadtführung einen netten Peruaner kennengelernt. Wir haben uns sehr gut unterhalten, während unser Guide, die einen
Master in Kunstgeschichte hatte, uns viele spannende Dinge über die Stadt erzählt hat. Nachdem ich mich von meiner unterhaltsamen Begleitung verabschiedet hatte, gab es eines der berühmten «…» Um
zwei ging ich dann zum Startpunkt für den zweiten Teil der Stadtführung und traf dort noch einmal auf den Peruaner, der extra noch einmal hergekommen ist, um sich mit mir fürs Abendessen zu
verabreden. Auch der zweite Teil der Stadtführung war sehr erhellend und danach haben wir einen sehr lustigen Abend mit gutem Essen und viel Wein sowie sehr ausführlichen Gesprächen verbrachte.
Der einzige Nachteil war, dass ich erst nach zwei ins Bett gekommen bin.
Am Dienstag, dem Tag meiner Abreise, musste ich aber trotzdem früh aufstehen, denn um halb neun hatte ich eine Verabredung mit der Kuppel des Doms, die man nur mit Reservierung besteigen kann. Es
war zwar etwas früh, aber dafür war der Blick auf die Stadt in der ersten Morgensonne wirklich schön! Danach ging es zurück ins Hostel zum Frühstück (Cappuccino und Toast) und dann schaffte ich
noch ein weiteres Museum, bevor es um eins zurück zum Bahnhof ging. Die Heimfahrt war dann etwas umständlich, weil mein Zug Verspätung hatte, aber weil meine Gotta mich netterweise abgeholt
hatte, hat trotzdem alles ganz gut geklappt.
Die folgenden Tage waren geprägt von stundenlanger Lektüre meiner Kunstgeschichtsbücher, nur unterbrochen von zwei lustigen Turnverein-Trainings, einem sehr unterhaltsamen Schlittelabend und zwei
Theaterbesuchen, wobei wir von zweiterem erst um sechs zuhause waren. Und nun geht es wieder zurück nach Napoli, für Prüfungen und noch ein paar letzte vergnügliche Stunden mit meinen Freunden,
gutem Essen und Kaffee. Und ein paar Blicke aufs Meer natürlich!
Lernen, Essen, Packen
Meine zweitletzte Woche in Napoli ist auch schon wieder vorbei, wo bitte geht die Zeit hin?
Morgen breche ich auf und werde auf dem Heimweg noch einen Abstecher nach Firenze machen, wenn ich schon einmal in der Gegend bin, aber dann geht es ab nach Hause, um mein Leben zu organisieren.
Ich muss mein Zimmer in Basel wieder beziehen, für Prüfungen lernen und überhaupt zusehen, dass ich einigermassen organisiert ins nächste Semester starten kann.
Aber bevor es jetzt um die Zukunft geht, hier der Rückblick auf die vergangene Woche:
Zum ersten war ich diese Woche zum ersten Mal seit Monaten wirklich produktiv, ich habe die letzten Vorlesungen besucht, begonnen für meine Prüfungen zu lernen und noch eine Arbeit für Basel
korrigiert. Zudem ist die Bibliothek eine der wenigen Orte in Napoli, wo die Heizung wirklich funktioniert und damit ein Zufluchtsort für uns arme Frostbeulen, was meiner Produktivität sehr
zuträglich ist. Aber ich habe es natürlich nicht ausgehalten, den ganzen Tag still in der Bibliothek zu sitzen, wenn um mich herum so eine spannende Stadt tobt und so wurde das Lernen immer
wieder von Kaffeepausen in der Sonne und Spaziergängen am Meer unterbrochen.
Bezüglich Hostelleben habe ich eine weitere kuriose Person zu meiner Sammlung hinzugefügt, die ältere Italienerin geht mir mit ihren ständigen Ermahnungen ich soll aufräumen, ich koche meine
Pasta falsch und überhaupt zwar ein bisschen auf die Nerven, aber hei, so ist es eben wenn man sein Zimmer mit so vielen Menschen teilt.
Das Highlight dieser Woche war aber definitiv mein Besuch im Nationalen Eisenbahnmuseum in Pietrarsa, einem Nachbarort von Napoli. Man erreicht diesen Ort super einfach direkt mit der Metro und
weil das Museum erst um 14.00 öffnet, habe ich noch Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang am Meer und ich bin sogar schnell reingehüpft, das ist allerdings eine sehr erfrischende Angelegenheit!
Das Museum ist sehr liebevoll gestaltet und gut im Schuss, was hier definitiv keine Selbstverständlichkeit ist. Aber so spannend die Ausstellung auch ist, das Grossartigste an diesem Ort ist die
Lage, direkt am Meer und mit einem unfassbaren Ausblick auf den Sonnenuntergang. Wunderschön! Am Abend bin ich dann noch zu einem Geburtstagsessen eingeladen und irgendwie läuft der Abend danach
ein kleines bisschen aus dem Ruder… Bis ich im Bett bin mussten einige Flaschen Wein daran glauben und es ist fast schon vier Uhr morgens. Aber es war ein super schöner Abend und da auch eine
italienische Freundin meiner Freundin eingeladen war, haben wir den ganzen Abend Italienisch gesprochen, es war also quasi ein pädagogisch wertvoller Abend
Dementsprechend nutze ich den Freitag, um auszuschlafen, aufzuräumen und mich auf meine Abreise vorzubereiten. Und Morgen geht es dann auch schon langsam auf den Heimweg…
Sonnenauf- und Untergänge, Pizza und Meeresfrüchte
Was für eine Woche! Als ich letzten Samstag wieder in Napoli angekommen bin, hatte ich regelrecht einen zweiten Kulturschock, nach dem Frieden
zuhause war diese Stadt doch etwas zu viel. Und ich habe mich gefragt, warum ich überhaupt wieder hergekommen bin, für gerade einmal 4 Lektionen. Und eine Woche später frage ich mich, warum ich
mich dazu entschlossen habe, noch einmal nach Hause zu fahren, am liebsten würde ich hierbleiben. Diese Stadt ist ein Albtraum, ein Irrenhaus und eine Müllhalde und trotzdem bin ich sehr gerne
hier. Ich schätze die schönen Ecken der Stadt, die Freiheit die ich hier hin diesem Semester habe (auch weil ich mich Uni-mässig nicht gerade überarbeitet habe), das meine Freunde in
unmittelbarer Nähe wohnen, dass man es sich leisten kann, auch zweimal die Woche auswärts zu essen und jeden Morgen einen Cappuccino zu trinken und natürlich das Klima. Wo sonst kann man am 11.
Januar draussen zu Abend essen?
Aber alles der Reihe nach:
Nach dem faszinierenden Opern-Besuch am Sonntagabend habe ich es am Montagmorgen irgendwie doch aus dem Bett geschafft, auch wenn es ein Kampf war.
Aber ich wollte mir unbedingt den Sonnenaufgang ansehen und was tut man da nicht alles… Und es hat sich gelohnt, es war wunderschön und so friedlich! Überhaupt habe ich mir diese Woche ziemlich
viel Zeit für mich allein genommen und es genossen, meinen Frieden für mich zu haben. Ich habe also bei Sonnenaufgang gefrühstückt und dann einen langen Morgenspaziergang unternommen. Danach gab
es Cappuccino und den Rest des Tages bummle ich mit meiner momentanen Mitbewohnerin durch die Stadt, trinke noch einen Kaffee und plaudere mit ihr. Es ist ein echt schöner Tag, an dem ich
allerdings so viel herumgelaufen bin, dass ich abends ziemlich fertig ins Bett falle. Und auch, weil es im Zimmer so kalt ist, dass man es eigentlich nur unter der Decke ausgehalten hat. Zum
Glück wurde die Heiz-Situation im Laufe der Woche besser, auch wenn es immer noch ziemlich kühl ist…
Am Dienstag habe ich eine Tour im Untergrund von Napoli unternommen, eine Reise, die durch so enge Tunnels führt, dass man seitwärts gehen muss. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber
man bekommt dafür auch einiges zu sehen und ein Abenteuer ist es allemal! Zudem habe ich mich erst noch ganz gut mit den anderen Teilnehmern unterhalten. Danach mache ich noch einen kleinen
Einkaufsbummel und setzte mich eine Weile ans Meer, eine Tätigkeit von der ich einfach nicht genug bekommen kann, vor allem jetzt wo das Meer so schön ruhig ist!
Am Mittwoch gibt es dann die einzige Vorlesung der Woche zu besuchen, vorher frühstücke ich aber auf dem Balkon und mache einen Abstecher zum
Bioladen. Dass der Dozent pünktlich aufkreuzt grenzt fast schon an ein Wunder, aber es ist tatsächlich wahr! Am Abend treffe ich mich dann mit meinen Mädels zu leckerer Pizza, wir tauschen unsere
Weihnachtsgeschichten aus, essen sehr gut und danach geht es noch für ein Getränk in die Buchladen-Bar.
Wir haben abgemacht, uns am Donnerstag in der Bibliothek zu treffen und so verbringe ich einen relativ produktiven Tag, so langsam wird es eben doch Zeit, mich meinen Prüfungen zuzuwenden. Und
vor allem ist es in der Bibliothek schön warm, sodass sie zu einem Zufluchtsort für zahlreiche Erasmus-Studenten wird. Am Abend besuche ich dann noch eine Tanz-Party einer türkischen Freundin,
die unglaubliche Dance-Moves beherrscht! Es ist ein ganz lustiger Abend, aber als sich die Gesellschaft von ihrer Wohnung zum Club verschiebt, gehe ich schlafen.
Denn am Freitag habe ich wieder jede Menge Pläne. Frühstück auf dem Balkon, danach drei Stunden in der Bibliothek, dann bummle ich etwas herum und schliesslich geht es hinauf auf den
Vomero-Hügel, ins Castel S. Elmo. Dieses Schloss gibt zwar als Museum nicht allzu viel mehr, aber man hat von hier oben einen unfassbar guten Blick über die ganze Stadt und vor allem auf dem
Sonnenuntergang.
Ich bin zum Glück genug früh dort, sodass ich Zeit habe, alles in Ruhe anzuschauen, bevor wir uns alle an der Westseite versammeln, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Und es ist so schön, die
zwei Euro Eintritt haben sich auf jeden Fall gelohnt! Vor lauter Sonnenuntergang hätte ich beinahe verpasst, was hinter meinem Rücken passierte. Da ging nämlich der wunderschöne Vollmond direkt
über Spaccanapoli auf. Ebenfalls ein echt schöner Anblick! Ich warte noch einen Augenblick, bis ich auch das Lichtermeer zu meinen Füssen bestaunen kann, danach geht es langsam nach Hause
zurück.
Am Samstag hatte ich eigentlich ausserhalb Napolis ein Eisenbahnmuseum besuchen wollen, aber da die Metro nicht fährt, ändere ich meinen Plan
schliesslich und besichtige stattdessen den Palast an der Piazza Plebiscito. Das ist auch ganz schön und erfordert etwas weniger Aufwand. Am Abend treffe ich mich dann wieder mit den Mädels zum
Essen, aber weil man ja nicht immer nur Pizza essen kann, steht heute die Pescheria Azzurra auf dem Programm. Tagsüber ist dieser Ort ein grosser Fischladen, aber abends verwandelt er sich in ein
Outdoor-Restaurant. Und wenn wir schon einmal in Napoli sind, entschliesse ich mich dazu, meine Aversion gegen Meeresfrüchte abzulegen und mit den anderen Spaghetti al frutti di mare zu
probieren. Ich bin nicht vollkommen überzeugt, aber es war auch nicht annähernd so eklig wie gedacht und wir haben einen sehr schönen Abend, vor allem wenn man bedenkt, dass wir am 11. Januar
draussen gegessen haben! Auf dem Heimweg treffen wir dann noch ein paar bekannte Gesichter und wir lachen viel, sodass sich die Heimkehr um einiges verzögert. Und dann treffe ich auch an der
Rezeption noch jede Menge Leute, sodass ich schliesslich erst nach zwei ins Bett komme, weil wir uns noch eine ganze Weile unterhalten.
Auch am Sonntag unternehme ich noch einmal einen Versuch, die Metro zu benutzen, aber sie fährt immer noch nicht, sodass ich stattdessen in den Park rund um das Museum Capo di Monte spaziere.
Denn was sonst soll man an einem sonnigen Sonntag machen, als einen langen, langen Spaziergang? Nachdem ich etwa zwei Stunden durch die Baumallen gewandert bin, lege ich mich eine Weile unter
eine Palme und geniesse die Sonne. Zusammen mit einem spannenden Hörbuch (ich höre mir gerade Harry Potter auf Italienisch an) ist das ein ziemlich perfekter Sonntagnachmittag!
Zurück im Hostel richte ich mich auf einen gemütlich Abend ein, aber dann treffe ich mich doch noch einmal ganz spontan mit einer Freundin auf ein Glas Wein und so wird es wieder fast zwölf, bis
ich zuhause bin. Aber genau das ist es eben, was ich an Napoli liebe. Jetzt sollte ich aber wirklich schlafen!
Ein Kulturschock im neuen Jahr
Ein neues Jahr hat begonnen und auch wenn ich mir durchaus ein paar Neuerungen vorgenommen habe, bleibt doch
auch vieles beim Alten. So sitze ich, während ich diese Zeilen schreibe, schon wieder in der Freccia Rossa auf dem Weg nach Napoli. Bologna-System hin oder her geht ein Semester in Italien
nämlich länger als eines in der Schweiz und so werde ich in den nächsten beiden Wochen noch einmal Vorlesungen besuchen (vorausgesetzt der Dozent taucht auf, das weiss man ja auch nie mit
Sicherheit).
Ich freue mich auf die kommenden zwei Wochen. Vermutlich werde ich mich allmählich mit Prüfungen und dem dazugehörigen Prüfungsstoff auseinandersetzten und vermutlich wird es in den Räumen ohne
Heizung in den nächsten Tagen auch eher frisch werden, aber ich freue mich trotzdem, noch einmal ein paar Tag in dieser verrückten Stadt verbringen zu dürfen. Denn meine To-Do Liste ist noch
längst nicht fertig abgehakt und wenn das Wetter mitspielt, werde ich hoffentlich auch noch etwas Sonnenlicht abbekommen.
Januar ist ja bekanntlich auch der Monat der Planung für das kommende Jahr und auch stecke im Augenblick immer mal wieder mit der Nasenspitze in meiner Agenda. Im Februar fängt mein normales
Studentenleben in Basel wieder an, im Frühling und Sommer stehen zahlreiche Turnverein-Projekte auf der Agenda und wenn alles nach Plan läuft, sollte ich im Dezember meinen Bachelor machen
(klingt jetzt allerdings noch ziemlich verrückt in meinen Ohren…)
Aber eines nach dem Anderen. Mittlerweile bin ich angekommen und kann mich nicht recht entscheiden, ob es sich ein bisschen anfühlt wie nach Hause kommen oder ob ich einen Kulturschock zum
Zweiten habe. Das Hostelzimmer ist voller Leute, ich habe plötzlich ein anderes Bett zugewiesen bekommen und die wenigen Dinge, die ich hiergelassen habe, sind im halben Hostel verstreut
(immerhin habe ich aber alles wieder gefunden…) Ich wurde schon mehrmals fast von Kindern auf Mopeds überfahren, die Luft ist geschwängert vom Geruch nach Waschmittel, Abgasen und Essen, dazu
eine Kakophonie aus Weihnachtsliedern, Verkaufsangeboten und den Gesprächen hunderter Menschen. Und ja, natürlich sind auch alle Strassen völlig überfüllt.
Diese leichte Überforderung dürfte aber auch damit zu tun haben, dass ich letzte Nacht kaum mehr als fünf Stunden geschlafen habe und über zehn Stunden Zugfahrt hinter mir habe. Dementsprechend
werde ich mich jetzt erst einmal hinlegen und versuchen ein bisschen Schlaf zu bekommen. Immerhin habe ich aber auch gleich an diesem ersten Abend schon eine sehr nette Griechin kennengelernt,
mit der ich noch etwas trinken war. Und auch mein Sonntag ist nicht zu verachten, ich nutze die Zeit um zwei Museen noch einmal zu besuchen, in denen ich schon zwar schon war, aber die ihre
Ausstellungen in der Zwischenzeit verändert haben. Da der erste Sonntag im Monat immer freier Eintritt ist, war es eine ideale Gelegenheit. Mein Versuch, nach den ersten beiden Museen noch ein
drittes anzuschauen, scheitert aber an der endlos langen Warteschlange. Stattdessen höre ich eine Weile einem extrem begabten Strassenmusiker zu und gehe dann nach Hause, um mich schön zu machen.
Denn auch wenn ich am Abend ein Date mit mir selber habe, möchte ich doch dem Anlass entsprechend gekleidet sein. Es ist zwar etwas kühl in Strümpfen, aber für die älteste Oper Italiens muss es
schon ein Kleid sein! Davon abgesehen, dass ich mir ein bisschen den Kopf verrenken musste, um die ganze Bühne sehen zu können, war der Nussknacker eine wirklich sehr schöne Veranstaltung. Ich
habe noch nie ein Ballett gesehen und das ist nicht nur eindrücklich, sondern hat auch den Vorteil, dass man sprachlich überhaupt keine Probleme hat. Ich habe mich auf jeden Fall danach sehr
beeindruckt und fasziniert auf den Heimweg gemacht!
A Christmas letter to my friends
Usually, I write my
blogposts in German, because honestly only my family reads them (I think) And also because my German is better than my English.
But this one is for you, for all the new people that I became friends with in just a couple of months. It’s crazy how much you can learn in just a few weeks.
When I arrived at Napoli Centrale, the train station, some months ago, I felt miserable. I had just broken up with my boyfriend and left my family to study in a city I almost knew nothing about,
besides the fact that everybody kept telling my how dangerous Napoli is. (The first night I didn’t even go out for dinner while we still had daylight, so scared was I!)
That the thought that this semester will end soon makes me again very sad is partly (or mostly) because of you. I’m looking forward a lot to study in Switzerland again, at a University that is
not crumbling to dust at any moment and where professors are mostly showing up in time. But I’m still very sad to leave this crazy city. I really learned to love Napoli and I found so many new
friends, I almost can’t believe it!
(I’m really sorry, this post is going to be very cheese, but I can’t help it…)
I want to say thank you to all the people that offered me their help when I wasn’t feeling well and most of all for all the laughter we shared. Thank you for all our shared dinners, deep
conversations and all the things you taught me about your home countries, your languages and cultures. And thank you for all the invitations to your home, be careful, I will take your word!
The trip to Sicilia was insane. We had a lot of moments that at first were not to funny but looking back I’m so grateful for that journey! I got to meet so many of you there and finally started
to feel at home in Napoli when we came back. We shared many waiting hours and other trouble together, but also a lot of fun (good food and a pretty crazy Party in Catania, many interesting
conversations at the bus and a constant treasure hunt for the prettiest postcard, just to name a few)
Thank you Natalie (the sweetest Belgium girl you could imagine) for teaching me that it’s Belgium fries, not French fries, for making me drink Belgium beer in Sicilia (because I had to try it)
and to convince me that Belgium will definitely be worth a trip (even if it’s just to visit you)
Thank you to Renata, a just as sweet girl from Kreta, for showing me that numbers can indeed sound just as pretty as words (even though I still hate maths, but Greek is just a fantastic
language!) and for that sweet little Shakespeare book you gave me as my secret Santa.
Thank you Olga for being such an uncomplicated roommate, for the hidden smiles and rolled eyes we shared when the others in the room where just to crazy and thank you for introducing me to all
your friends when I just arrived and felt incredibly lost in this buzzing city.
Thank you Seyma, Dilara and Aleksandra for that great trip to Rome that healed my traumas from my last visit and the very interesting conversations we had, be it in the Vatican Museum or late at
night at the Fontana dei Trevi. Battling with our umbrellas and the heavy rain we still had a lot of fun (and a huge number of selfies to remember it :P)
Thank you to Nina and Levke for giving me the chance to speak German every now and then and not complaining about my Swiss-German accent.
Thank you to all the girls from our Salerno-Trip and the Pre-Christmas-Dinner, I was twice eating to much and having even more fun. We shared some great hours and I laughed a lot!
😊
Finalmente, un grande bacio ai miei colleghi del corso d’italiano, specialmente Joao e Nastya per fare le
lezioni sempre un po’ più divertente, per aiutarmi di migliorare il mio italiano e per le cene e colazione che abbiamo condiviso. È stato proprio un piacere!
I wish you all a merry, merry Christmas and a happy new year and I look forward to see, at least some of you, again in January to properly bring this crazy Semester to an end!
I wanna go home for Christmas!
Während ich diese Zeilen schreibe, fährt mein Zug langsam aus Napoli heraus. Der grösste Teil meines
Auslandsemesters ist vorüber und ich fahre für Weihnachten nach Hause. Ich bin froh, im Januar noch einmal wiederkommen zu können, denn so kann ich mich ganz aufs Heimkehren freuen, ohne die
Wehmut Napoli hinter mir lassen zu müssen. Ich würde gerne behaupten, dass ich völlig tiefenentspannt bin und gelassen die Regentropfen auf dem Fenster beobachte, aber dem ist leider nicht so.
Reisen mit einem grossen Rucksack und einem schweren Koffer ist (zumindest für mich) extrem stressig und man weiss ja auch nie mit Sicherheit, ob man einen Anschluss erwischt oder nicht. Aber bis
jetzt sieht alles gut aus und ich probiere durchzuatmen.
Den ersten Abschnitt des nun folgenden Blogs habe ich übrigens gestern Abend im Pyjama auf meinem Balkon geschrieben. Ohne Jacke! Aber eines nach dem anderen.
Am Montag habe ich mich bemüht, noch einmal brav zur Uni zu gehen, aber nachdem ich eineinhalb Stunden auf meinen Professor gewartet habe, ist mir leider der Geduldsfaden gerissen… Davon
abgesehen habe ich noch ein paar Weihnachtseinkäufe getätigt und schon einmal etwas gepackt, denn die folgenden beiden Tage werden ziemlich wild.
Weil das Wetter am Dienstag so schön ist, mache ich noch einmal einen Ausflug ans Meer, in der Nähe von Sorrento gibt es nämlich eine Bucht, die sich «Bagno della Regina Giovanna» nennt. Es ist
ein kleines Abenteuer dahin zu kommen, denn man muss neben dem Zug auch noch den Bus nehmen, aber es lohnt sich. Die kleine Bucht ist super schön versteckt gelegen, glasklares Wasser und wilde
Natur, was will man mehr? Ich lass es mir nicht nehmen, kurz ins Meer zu springen, auch wenn es ziemlich kalt ist, aber ein Bad im Dezember steht definitiv auf meiner To-Do Liste. Danach kann ich
im Tshirt entspannt in der Sonne picknicken und mache es mir richtig gemütlich. Der Blick auf den Golf von Neapel, mit Neapel und mit Sorrento, ist wirklich beeindruckend! Ich habe auch mein
Schulbuch mitgebracht, sodass ich noch etwas lernen kann, während mir die Sonne ins Gesicht scheint. Die Rückreise wird dann leider ein kleines bisschen stressig, ich warte viel länger als
geplant auf den Bus und dann stellt sich heraus, dass dieser zu einer anderen Firma gehört und das Ticket, dass ich wohlweislich schon vorher gekauft habe, gar nicht gültig ist. Zum Glück ist der
Chauffeur aber nett und lässt mich trotzdem mitfahren. Auch das ist Italien, dass auf derselben Strecke verschiedene Firmen verkehren und natürlich hat jeder sein eigenes Ticket (ein Ticket zu
kaufen ist dann aber sehr viel schwieriger…)
Irgendwie schaffe ich es dann trotz all diesen Schwierigkeiten zurück nach Napoli und habe gerade noch Zeit, mich etwas frisch zu machen, bevor ich zu unserem (Vor-)Weihnachtsfest aufbreche. Wir
Mädels, die auch zusammen nach Salerno gefahren sind, treffen uns heute Abend zu einem gemütlichen Abendessen und Wichteln. Und es wird ein sehr, sehr schöner Abend! Wir essen unfassbar gut,
trinken Prosecco, Wein und Glühwein und lachen viel. Ich bekomme von meinem Wichtel ein super süsses kleines Shakespeare-Büchlein, wir singen Weihnachtslieder und führen tiefgründige
Diskussionen. Ich habe dieses Abendessen sehr, sehr genossen!
Am Mittwoch muss ich dann aber ausschlafen, da es gestern doch etwas spät geworden ist. Danach packe ich fertig, besorge Proviant und dann geht es schon wieder an die Uni. Heute taucht der Dozent
tatsächlich auf, dafür muss ich aber etwas früher los, weil heute Nachmittag auch meine Italienisch-Prüfung ansteht. Den Anfang macht die mündliche Prüfung und da ich das Glück habe, gleich als
erste dranzukommen, kann ich mich danach ganz entspannt mit den anderen unterhalten. In der allgemeinen Pause vor dem schriftlichen Teil genehmigen wir uns einen Espresso für die Energie und
machen ein Gruppenfoto auf der Terasse der Uni, denn schliesslich ist es unsere letzte gemeinsame Diskussion. Der schriftliche Teil läuft auch ganz gut, von der Grammatik einmal abgesehen und wir
sind alle ziemlich erleichtert, als wir das überstanden haben. Um meinen letzten Abend in Napoli zu zelebrieren, spaziere ich danach mit einer Freundin aus dem Kurs ans Lungomare, die lange
Strasse, die am Meer entlang verläuft und wir essen Pizza mit dem unfassbaren Ausblick auf die Lichter der Stadt und den Vesuv vor uns. Atemberaubend schön! Zurück zuhause treffe ich die letzten
Vorbereitungen und setze mich dann mit einem Glas Wein auf meinen kleinen Balkon und geniesse die Wärme und den Frieden.
Am Donnerstag habe ich es dann tatsächlich fast fertiggebracht zu verschlafen, aber ist dann doch noch einmal alles gut gegangen und ich hatte noch Zeit, am Bahnhof einen Cappuccino zu trinken.
Und jetzt sitze ich im Zug und versuche mich ein bisschen zu entspannen. Um mich herum sitzen jedoch lauter Professoren einer Musikgruppe und auch wenn ihre Gespräche ganz unterhaltsam sind, ist
das dauernde Getelefoniere und der stetige Strom von Studenten, die vorbeikommen, doch etwas anstrengend. Aber hey, ich habe ja noch ein paar Stunden Reise vor mir, bis zuhause bin ich sicherlich
tiefenentspannt :P
Kleiner
Nachtrag:
Mittlerweile bin ich zuhause angekommen und sitze gemütlich in meinem eigenen Bett. Ich habe mit meiner Familie geplaudert, heiss unter der Regenwalddusche geduscht, frisches Hahnenwasser
getrunken (das Wasser in Napoli ist zwar trinkbar, aber hat oft einen Beigeschmack und ich werde den Gedanken an illegale Abfallentsorgung einfach nicht ganz los...) und mich am tollen
Toilettenpapier der Schweiz erfreut. (Ja, ich hasse dieses dünne, fusselige Papier, das man im Ausland oft hat!) Jetzt geniesse ich den Frieden eines eigenen Zimmers und erhole mich von den
Strapazen der Reise :)
Vorweihnachtszeit ist Lichterzeit
Dezember in Napoli läuft ganz gut, würde ich sagen! Es liegt wieder eine abenteuerliche Woche hinter mir und ich
kann es manchmal selbst kaum glauben, zu was für einem sozialen Menschen ich mutiert bin. Einen Abend, den ich einfach alleine zuhause verbringe gibt es im Augenblick nur sehr selten.
Montag war aber ein solcher Tag, ich habe gelernt und war an der Uni und bin am Abend dann brav zuhause geblieben. Wobei ich mich auch an diesem Abend über eine Stunde lang mit einem der
Rezeptionisten des Hostels unterhalten habe, ich war also nicht wirklich alleine zuhause.
Am Dienstag, meinem unifreien Tag, habe ich dann mit einigen anderen einen Ausflug nach Salerno gemacht, da diese Stadt für ihre ausgefallenen Weihnachtsbeleuchtungen bekannt ist. Ich habe mich
anfangs noch etwas gewundert, warum wir dafür schon morgens um elf aufbrechen, aber diese Frage klärt sich schnell. Erstens verpassen wir den Zug, weil wir Gleis 1 nicht finden (das sich
seltsamerweise ausserhalb des Bahnhofes befindet…) und müssen dann mit der wesentlich langsameren S-Bahn vorliebnehmen. Die knapp 1.5h vergehen aber dank guter Gesellschaft auch wie im Flug. So
ist es schon nach 1, bis wir endlich in Salerno ankommen. Das grosse Ziel ist nun Zmittag und diese Mission wird uns bis fast um 4 beschäftigen! Wir finden ein Lokal, dass sich offenbar einiger
Beliebtheit erfreut, zumindest haben die Meeresfrucht-Gerichte von Mamma Rosa im Internet sehr gute Bewertungen. Neben der offiziellen Karte gibt es auch ein handgeschriebenes Tagesmenu, bei
welchem wir uns für gerade einmal 10 £ den Bauch vollschlagen können. Während die meisten meiner Begleiterinnen sich auf die Meeresfrüchte und Fisch stürzen, nehme ich als Primo Piatto mit einer
Lasagne vorlieb und als Secondo gibt es dann Vitello. Der Kellner gibt sich auf jeden Fall grosse Mühe und stellt uns, statt das jeder einzeln bestellt, zum Secondo einfach sieben verschiedene
Contorni (Beilagen) zusammen. Dazu gibt es noch super leckeres Brot und zum Dessert das vermutlich beste Tiramisu meines Lebens. Wir sind wahrlich im siebten Himmel und vollgefressen, als wir das
Lokal wieder verlassen. Da es noch nicht ganz dunkel ist, nutzen wir die Zeit noch für ein paar Bummeleien in der Einkaufsstrasse von Salerno und natürlich auch einen Kaffee.
Und ja, die Weihnachtsbeleuchtung dieser Stadt ist wirklihc eindrücklich! Es gibt nicht nur einen riesigen Weihnachtsbaum und unzählige kleine Gassen voller sehr unterschiedlicher Lichterketten
zu bewundern, sondern auch einen grossen Platz, der so gestaltet ist, als befände man sich unter Wasser und einen ganzen Zoo voller leuchtender Tiere! Obwohl es hier so nahe am Meer ziemlich
windig und kalt ist, sind wir total fasziniert. Bevor wir uns dann aber alles abgefroren haben, flüchten wir noch einmal in eine Bar und während einige sich mit Tee wärmen, bestellen ich und ein
paar andere uns einen Gin Tonic, der ebenfalls sehr lecker ist. Danach wärmen wir uns noch gegenseitig auf dem Bahnsteig und können dann endlich in den warmen Zug einsteigen.
Tagsüber ist der Mittwoch dann ziemlich unspektakulär, ich besuche Vorlesungen und geniesse etwas die Sonne. Am Abend treffe ich mich dann aber schon wieder mit meinen Mädels :P und wir probieren
eine weitere der berühmten Pizzerien Neapels aus. Und wir essen natürlich wieder einmal sehr, sehr gut! Danach haken wir gleich noch einen Punkt meiner To-Do-Liste ab und setzten uns in eine sehr
hübsche Bar, die gleichzeitig ein Bücherladen ist, und plaudern über alles Mögliche. Ein sehr schöner Abend, der mir viel Spass gemacht hat. Bevor ich mich dann schlafen lege, plaudere ich noch
eine ganze Weile mit einigen der Hostelmitarbeitern, die mir die unglaublichsten Geschichten erzählen. Auch der Donnerstag steht tagsüber im Zeichen der Uni und einigen organisatorischen
Aufgaben. Am Abend treffe ich mich aber mit anderen Erasmus-Leuten zu einem internationalen Abendessen und da ich versprochen habe, Glühwein zu bringen, duftet danach das ganze Hostel sehr, sehr
weihnachtlich! Auch dieser Abend wir sehr unterhaltsam, wir entdecken in einem Hinterhof einfach ein römisches Theater (in jeder anderen Stadt hätte man daraus eine grosse Attraktion gemacht,
aber die Altstadt von Neapel ist so voller historischer Bauten, dass ein Theater mehr oder weniger niemanden mehr interessiert). Wir sind aber trotzdem ziemlich sprachlos, als wir dieses Bauwerk
von einem Balkon aus entdecken. Ein ägyptischer Austauschstudent, der in China lebt, bekocht uns heute mit chinesischem Essen, dass zwar super lecker ist, aber so scharf gewürzt ist, dass wir
beim Essen alle weinen. Danach gibt es noch leckeren Nachtisch und meinen Glühwein und natürlich viele gute Gespräche.
Der Freitag ist dann wieder einmal ein richtiger Regentag, sodass ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, aufzustehen. Aber ich habe ja nicht wirklich eine Wahl… Ich beschäftige mich schon
einmal mit meiner Packerei, besorge ein Wichtelgeschenk für nächste Woche und schlürfe meinen täglichen Cappuccino. Nach der Vorlesung und dem Italienischkurs setze ich mich dann noch mit ein
paar anderen Sprachschülern zusammen und wir üben etwas für die Prüfung von nächster Woche.
Dafür ist der Samstag dann strahlend schön! Da es im Hostel aber offenbar entweder keine Heizung gibt oder man es nicht für nötig hält, diese anzumachen, ist es hier trotzdem ziemlich kalt! Aber
ich habe ein paar Freunde zum Frühstück eingeladen und auch wenn wir alle etwas frieren, ist es doch ein sehr schöner Vormittag. Am Nachmittag spaziere ich dann am Meer entlang und skizziere ein
bisschen. Ein Dezembersamstag, an dem ich kurzärmlig am Meer sitzen kann, damit kann ich sehr gut leben!
Am Sonntag ist das Wetter dann schon wieder nicht mehr so schön, aber das ist eigentlich ideal für mich, denn ich habe einen Museumsbesuch auf dem Programm. Ich bin kein grosser Fan von moderner
Kunst, aber ich wollte dem Museum trotzdem eine Chance geben. Ob sich die vier Euro gelohnt haben, weiss ich danach auch nicht wirklich, aber es hatte immerhin ein paar Kunstwerke, die mir ganz
gut gefallen haben. Den Nachmittag verbringe ich dann zuhause, arbeite an meinem Tagebuch und erledige endlich meine Wäsche. Am Abend treffe ich mich dann noch einmal mit einigen Freunden und wir
setzen uns für eine Weile in eine Bar, in der eine Art «Vintage Markt» stattfindet und wo es von Erasmusleuten, und damit von vertrauten Gesichtern, nur so wimmelt.
Hoher Besuch aus der Heimat
Als Kind habe ich manchmal davon geträumt, an einen Ort auszuwandern, an dem es nicht so kalt ist
wie zuhause. Mittlerweile kann ich es mir nicht mehr vorstellen, für immer in ein völlig anderes Land zu ziehen, dafür liebe ich die Schweiz und vor allem die vielen tollen Menschen um mich herum
viel zu sehr.
Ebenso habe ich am Anfang dieses Auslandsemesters gedacht, dass ich möglicherweise einen Fehler gemacht habe, hierherzukommen. Und mittlerweile macht mir der Gedanke, wieder zurück zu gehen etwa
gleichviel Angst wie hier zu bleiben. Die Stadt ist etwas ganz Besonderes und wer ihr einmal verfallen ist, wird aus der Nummer wohl nicht mehr so einfach herauskommen. Ich freue mich riesig, für
Weihnachten nach Hause zu fahren, meine Familie wieder zu sehen und in eine etwas geregelte Wohnsituation zurückzukehren. Gleichzeitig freue ich mich aber auch, dass ich im Januar noch einmal ein
paar Wochen zurückkommen zu können. Schon spannend, wo es einem manchmal hin verschlägt. :)
Nun aber genug der Loblieder für dieses Irrenhaus und zu den Erlebnissen dieser Woche. Da mich meine Gotta und ihr Mann besucht haben, war die Woche durchaus ereignisreich! Ich
habe die beiden am Sonntagabend vom Bahnhof abgeholt und danach haben wir uns in der Ferienwohnung erst einmal ein bisschen eingerichtet. Am Montag steht dann der grobe Überblick über die Stadt
auf dem Programm, wir fahren auf den Stadthügel Vomero, wo man nicht nur einen tollen Blick über die Stadt hat, sondern auch das Castell St. Elmo steht. Dieses, und das dazugehörige Kloster,
beherbergt ein Museum und mehrere Aussichtsterrassen, sodass wir einge ganze Weile mit herumschauen beschäftigt sind. Danach geht es mit dem Funiculare, der städtischen Standseilbahn, wieder
hinunter in die Stadt und wir stärken uns erst einmal mit Kaffee und Sfogliatelle, bevor wir weiterziehen. Auch den beiden muss ich natürlich die Mini-Italienreise mit einem Besuch in Mailand und
Rom zumuten, bevor wir einen Blick aufs Meer und die eindrückliche Silhouette des Vesuvs werfen. Danach spazieren wir noch eine Weile in der Hafengegend herum, bevor ich in meine
Italienisch-Lektion muss. Danach flitze ich noch rasch ins Hostel, um mich von Olga, meiner Mitbewohnerin, zu verabschieden, die morgen früh wieder nach Hause fliegt. Zum Abendessen treffen wir
uns dann wieder in der Via dei Tribunali, auch bekannt als Pizza-Strasse. Nach dem Essen kehren wir dann in die Ferienwohnung zurück und besprechen die Ereignisse des Tages bei einer Tasse
Tee.
Weil das Wetter nach Meteo am Dienstag am schönsten ist, machen wir heute einen Ausflug nach Ischia. Um uns den Albtraum der kleinen Schiffe zu ersparen nehmen wir die Fähre und weil diese nicht
allzu früh abfährt, haben wir einen entspannten Morgen. Auch die Überfahrt ist bei strahlendem Sonnenschein ein Vergnügen! Angekommen stärken wir uns erst einmal mit einem Crêpe und spazieren
dann durch die Ortschaften Ischia Porto und Ischia Ponte, bevor wir das Aragonesische Schloss besteigen. Von dort hat man einen atemberaubenden Ausblick auf das Festland und die übrigen Inseln im
Golf von Neapel. Nach dem Spaziergang zurück zum Hafen haben wir noch etwas Zeit, um das Treiben im Hafen zu bestaunen, bevor wir aufs Schiff müssen. Auch die Rückfahrt verläuft angenehm,
irgendwann müssen wir von draussen, wo man die vielen Lichter bestaunen kann, dann aber nach drinnen wechseln, weil es doch ziemlich kalt geworden ist. Das Abendessen ist heute zur Abwechslung
keine Pizza, sondern das berühmte neapolitanische Ragu, dass mindestens acht Stunden lang gekocht werden muss und vor welchem wir noch eine Präsentation der verschiedenen Pastasorten
bekommen haben. Nach dem Essen gibt es zurück in der Wohnung noch ein Tee und dann wird es auch allmählich Zeit fürs Bett.
Am Mittwoch steht dann die Erkundung der Altstadt auf dem Programm, wo ich mich zwar schon ziemlich gut auskenne, aber doch noch allerlei Neues entdecke. Wir beginnen auf der Piazza del Gesù
Nuovo mit der Besichtigung der gleichnamigen Kirche, von der ich schon wieder vergessen hatte, wie eindrücklich sie ist! Danach geht es weiter zum Klostergarten Santa Chiara, der vor
allem bekannt ist für seine farbigen Kacheln, die mich sehr beeindrucken! Danach sehen wir uns auch noch die Kirche dazu an, bevor es weitergeht, einmal Spaccanapoli entlang. Diese Strasse
führt spaltet Napoli buchstäblich in zwei Hälften und führt über lange Strecken schnurgerade aus, sodass man sich hier nicht verlaufen kann :) Nachdem wir den wilden Trubel dieser Strasse verlassen haben, tauchen wir in das «Mafiaviertel» Forcella ein,
um die Kirche Pio Monte della Misericordia zu besichtigen, in der ein echter Caravaggio über dem Altar hängt. Ich bin schwer beeindruckt! Über der Kirche befindet sich auch noch ein
ziemlich grosses Museum, in dem wir noch eine ganze Weile verweilen. Nach einer kurzen Stärkung in einem Café sehen wir uns auch noch den Dom an, bevor ich meine Gäste sich selbst überlasse und
in meinen Italienischkurs eile. Zum Abendessen führe ich die beiden dann in eine der besten Pizzerien Napolis, wo wir sehr gut essen!
Den Donnerstag beginnen wir in den Quartieri Spagnoli, ebenfalls ein nicht allzu gutes Quartier Napolis, das sich aber in den letzten Jahren zunehmend zu einem Ausgehviertel entwickelt.
Ich war zwar schon mehrmals in diesem dichten Strassengewirr unterwegs, aber trotzdem stossen wir noch auf jede Menge Dinge, die ich auch noch nicht gesehen haben, zum Beispiel stossen wir über
den Anfang von Spaccanapoli und jede Menge spannende Graffiti. Nach einem Kaffee muss ich dann weiter Uni, während meine Gäste zum grossen Museum Capodimonte fahren. Am frühen Abend
treffen wir uns dann wieder, um noch etwas über die berühmte Via Chiaia zu bummeln, noch eine Kirche zu besichtigen, Notizbücher zu kaufen und am Schluss am Meer zurück zu bummeln
(wunderschön mit den vielen Lichtern!) Danach gibt es heute noch einmal Pasta (man kann ja nicht nur Pizza essen), bevor wir diesen Miniurlaub ausklingen lassen.
Am Freitag packe ich dann all meine Sachen wieder zusammen und schleppe alles zurück ins Hostelzimmer, was so ohne Olga seltsam leer ist… Der Freitag ist mein Organisationstag, ich gehe zur Uni
und sortiere meine Aufgaben aus. Am Abend treffe ich mich dann mit einigen Freunden, um im berühmten Restaurant Da Nenella die ebenfalls berühmte Pasta e Patate zu essen. Wir
unterhalten uns gut, essen wunderbar und gönnen uns danach noch eine Nuvoletta, ein typisches Gebäck, und einen Aperol Spritz.
Christmas is coming?!
Endlich, endlich nicht mehr jeden Tag Regen!
Mir wurde von mehreren Seiten bestätigt, dass Regen zwar typisch für den Winter in Napoli ist, aber nicht in einem Ausmass, wie wir es hier in diesem Monat erlebt haben. Nachdem es ziemlich genau
seit dem ersten November jeden Tag mindestens einmal geschüttet hat, war der letzte Samstag dann der erste komplett trockene Tag. Und seither hat sich das Wetter massiv gebessert. Es regnet immer
noch hin und wieder, aber es blinzelt zumindest jeden Tag die Sonne durch und es wurde auch wieder etwas wärmer.
Nachdem ich den kompletten Sonntag im Hostel verbracht habe, wurde es am Montag wieder Zeit für etwas mehr Aktivität. Ich habe in der warmen Sonne meinen Cappuccino getrunken, war an der Uni und
habe ein paar andere Dinge von meiner To-Do-Liste streichen können.
Am Dienstag habe ich dann einen Ausflug zum Vesuv gemacht, ein Projekt, dass ich wegen der vielen Wolken schon fast aufgegeben hatte. Aber es war der perfekte Tag für dieses Unterfangen,
wolkenlos und schön warm! Im Gegensatz zum letzten Mal, als ich den Vulkan mit meiner Familie bestiegen habe, entschied ich mich dieses Mal für eine zwar nicht ganz günstige, dafür aber sehr
unkomplizierte Variante und nahm den Bus direkt ab dem Bahnhof von Ercolano. So musste ich mich um gar nichts kümmern ausser das letzte Stück hinauf zu gehen. Und der Aufstieg hat sich so sehr
gelohnt! Der Ausblick ist faszinierend und obwohl ich auf über 1000müM war, konnte ich einen Cappuccino im Sommerkleid geniessen. Das beizeiten Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Zurück
in Ercolano esse ich am Strand Zmittag und weil es so schön warm ist, kann ich sogar einen kurzen Sprung ins Meer wagen, was allerdings doch eine eher frische Angelegenheit ist. Aber hei, es ist
beinahe September und ich kann entspannt im Bikini am Strand liegen, was will man mehr?
Danach sehe ich mir am Hafen noch den Sonnenuntergang an, ebenfalls ein wunderschönes Naturschauspiel! Noch viel beeindruckender ist aber die Abendstimmung, ein extrem intensives Rot, dass sich
nach dem Sonnenuntergang über den ganzen Himmel ausbreitet.
Den Abschluss für diesen wunderbaren Tag macht eine Pizza bei da Michele, eine der bekanntesten Pizzerien in Napoli. Da ich aber beizeiten unterwegs bin, muss ich nicht anstehen, teile mir aber
meinen Tisch mit einem pensionierten Psychologieprofessor aus Chicago. Wir unterhalten uns auf Italienisch (wobei er einen so extremen amerikanischen Akzent hat, dass ich mir das Lachen
verkneifen muss) und er erzählt mir von seiner Leidenschaft für Bridge. Wie klischeehaft kann eine Begegnung bitte sein?
Mittwoch war dann wieder ein produktiver Tag, denn ich bin ja nicht nur hier um den Ausblick zu geniessen :) (auch wenn ich das sehr gerne mache!)
Am Donnerstagabend bin ich dann wieder einmal zu einem fantastischen Abendessen eingeladen. Wir essen Summer Rolls mit selbstgemachter Erdnusssauce, die unfassbar lecker ist, dazu gibt es Wein
und gute Gespräche. Danach machen wir, nachdem es endlich aufgehört hat zu schütten, noch einen langen Spaziergang und setzten uns in eine Bar, sodass es nach 2 ist, bis ich endlich im Bett
bin.
Dementsprechend bin ich nicht so motiviert, am Freitag früh aufzustehen und lasse den Tag sehr gemütlich angehen. Der Besuch meiner Vorlesung muss natürlich trotzdem sein und am Abend gibt es
dann ein «International Dinner», eine ziemlich verrückte Angelegenheit. Jeder bringt etwas zu Essen mit und dann können alle alles probieren. Da wir aber über 60 Leute sind, wird dies eher zu
einer Buffetschlacht und ich bin ziemlich fertig, als das Essen vorbei ist. Dafür treffe ich aber auch hier sehr nette Menschen, mit denen ich mich bis fast um Mitternacht unterhalte.
Das Wochenende nutze ich nun für allerlei Museumsbesuche, die noch auf meiner Napoli-To-Do-Liste stehen. Den Anfang macht ein Besuch in den bourbonischen Tunneln, ein Netzwerk aus alten und
neueren Tunneln und Zisternen, die über die Jahrhunderte als Tuffabbaustelle, Zisterne, Fluchttunnel für den König, Bombenschutz im zweiten Weltkrieg und Depot für konfiszierte Fahrzeuge genutzt
wurde. Ein sehr eindrücklicher Besuch! Danach habe ich mit meiner Schwester telefoniert (immer wieder schön!) und mich schliesslich noch etwas erholt. Am Abend habe ich mich dann mit einigen
Freunden zum Abendessen getroffen (natürlich Pizza, was sonst :) ) und anschliessend ging es zu
einer Silent Party, einem Event, bei welchem jeder Kopfhörer trägt und man zwischen drei DJs auswählen kann. Eine komische Idee, die aber überraschend viel Spass macht, vor allem weil wir in der
Galleria Umberto feiern, einem echten historischen Monument! Es wird ein besonderer Abend, der sehr viel Spass machte!
Am Sonntag muss ich erst einmal die Ferienwohnung für die nächsten Tage übernehmen, danach habe ich aber jede Menge Zeit. Der erste Sonntag im Monat ist immer freier Eintritt in alle öffentlichen
Museen, aber es hat so unfassbar viele Menschen auf den Strassen, dass ich meine ursprünglichen Pläne über den Haufen geschmissen habe. Stattdessen mache ich einen langen Spaziergang am Meer und
picknicke mit Blick auf den Vesuv. Auch nicht zu verachten, vor allem wenn man bedenkt, dass in 24 Tagen schon Weihnachten ist!
Napoli: Kampf, Essen, Vertrauen?
Ich habe den Film Eat Pray Love zweimal gesehen, bevor ich nach Napoli kam. Und weil Julia Roberts Besuch
die Pizzeria da Michele noch berühmter gemacht hat, als sie vorher schon war, ist diese aussergewöhnliche Geschichte hier auch in aller Munde. Als ich das Buch dann für 8£ in einem Laden gesehen
habe, konnte ich nicht wiederstehen. Wie zu vermuten war, ist das Buch sogar noch besser als der Film und ich habe im Moment Mühe, etwas anderes zu tun als zu lesen. Doch nun genug des Loblieds
und zu dem Thema, über das ich eigentlich sprechen wollte.
Im Buch versuchen Liz (die Protagonistin) und ihr Sprachtandemfreund Giovanni Worte für die Städte zu finden, in denen sie leben oder gelebt haben. Für Rom entscheiden sie sich für das Wort
Sex, für New York achive (erreichen) und für Los Angeles succeed (Erfolg haben)
Für Napoli entscheiden sie sich für Fight (kämpfen), aber ich bin mit dieser Wahl nicht ganz einverstanden. Natürlich hat die Stadt viele Probleme, viel Armut und eine hohe
Kriminalitätsrate, es wird also durchaus gekämpft, aber dieses Wort ignoriert all die unzähligen wunderschönen Aspekte dieser Stadt. Ich habe meine Mitbewohnerin gefragt, wie sie Napoli mit nur
einem Wort beschreiben könnte. Sie entschied sich für Food (Essen), eine Wahl, die der ich nur zustimmen kann.
Mein ganz persönliches Wort für Neapel ist aber Fiducia (Vertrauen), denn was könnte eine Stadt, die am Fuss des gefährlichsten Vulkans von Europa erbaut wurde, besser beschreiben? Und
auch für mich trifft diese Entscheidung zu, denn nur mit einem Ticket und drei Übernachtungen in einem Hostel in ein Auslandsemester aufzubrechen braucht auch eine Menge Vertrauen.
Überhaupt mag ich die Idee eines Wortes für eine Stadt, für einen Menschen oder auch ein Jahr. Mein persönliches Wort habe ich, glaube ich zumindest, noch nicht gefunden, aber es auf jeden Fall
etwas mit Geschichten zu tun haben, da bin ich mir sicher. Und mein Wort für das Jahr 2019 habe ich schon im Februar erkoren, als ich barfuss durch die Sahara gewandert bin: Zuversicht Das
klingt jetzt alles sehr esoterisch :P Aber ich mag die Idee, mir ein passendes Wort für bestimmte Orte und Umstände auszudenken, sehr gerne, insbesondere da ich eine grosse Wort-Verehrerin
bin.
Ob auch2020 ein eigenes Wort haben wird und wenn ja, was für eines, wird sich erst zeigen müssen, aber ich bin gespannt.
I Instantely love Naples. Wild, raucous, noisy, dirty, balls-out Naples. An anthill inside a Rabbit warren, with all the exoticism of a Middle Eastern Bazaar and a touch of New Orleans
voodoo. A tripped-out, dangerous and cheerful nuthouse.
The city all decorated with the laundry that hangs from eyery window and dangles across every street: everybody's Fresh-washed undershirts and brassiers flapping in the wind like Tibetian
Prayer flags.
-Elizabeth Gilbert-
Regen, Sturm und Sonnenschein
Mein Leben fühlt sich oft ein bisschen an, wie Leben in einem Paralleluniversum! Ich begegne so absurd vielen
spannenden Menschen, dass ich schon gar nicht mehr weiss, wo mit dem Erzählen anzufangen. Gestern zum Beispiel habe ich mich erst an einer Party mit einem Palästinenser und einem Israeli über die
Lage im nahen Osten unterhalten, danach noch über eine Stunde mit einer älteren Chinesin in meinem Hostel über die Macht der Liebe. Es waren sehr tiefgründige (und auch etwas schwierige
Unterhaltungen, weil in Englisch), die wir geführt haben. Jetzt aber genug der Tiefgründigkeit und zurück zu meiner Woche.
Nachdem ich das ganze letzte Wochenende in Rom verbracht habe, muss ich mich am Montag erst einmal ein bisschen erholen und nutzte die Zeit, um zu lernen und zu schlafen.
Am Dienstag hat der Wetterbericht mir endlich wieder einmal Sonne versprochen, allerdings nicht in Napoli selbst sondern auf den Inseln im Golf von Neapel. Also besteige ich frühmorgens ein Boot,
um nach Procida zu fahren. Saublöde Entscheidung…
Die eigentlich nur 40 minütige Überfahrt dauert schliesslich über eine Stunde und ist buchstäblich zum Kotzen… Immerhin ist die Insel aber wirklich hübsch und so klein, dass man sie in einem Tag
problemlos komplett anschauen kann. So mitten im November hat es kaum Touristen und als ich eine hübsche Kirche besichtige, wird sogar extra nur für mich das Licht angemacht! Ich bin beeindruckt!
Mit dem Wetter ist es allerdings auch eher etwas schwierig, zwischendurch scheint aber zum Glück tatsächlich immer mal wieder die Sonne. Aber gerade gegen Nachmittag wird das Wetter immer
abenteuerlicher, bis schliesslich mehrere Gewitterfronten über uns hinwegziehen, inklusive Hagel. Dementsprechend wird auch meine Fähre erst einmal gestrichen, aber irgendwie komme ich dann doch
noch zurück ans Festland. Die Überfahrt ist nun viel angenehmer, weil ich ein grösseres Schiff erwischt habe, aber geradeauslaufen ist nach wie vor ein Ding der Unmöglichkeit. Zurück auf dem
Festland atme ich einmal tief durch und gehe dann noch zum Volleyball.
Mittwoch wird ebenfalls ein etwas ruhigerer Tag, dass Wetter bleibt besch***** und ich nutze die Gelegenheit zum Lesen und Arbeiten.
Auch am Donnerstag versuche ich fleissig zu sein, schliesslich rücken ja dann auch langsam die Prüfungen näher, wobei ich bis heute nicht sicher bin, ob meine Kreditpunkte mir überhaupt
angerechnet werden. Aber lieber etwas mehr als etwas weniger lernen. Nach der Uni geht es dann mit einigen meiner neuen Bekannten zu einem Pizza-Abend in einer der bekanntesten Pizzerien von
Napoli. Nachdem wir uns so die Bäuche vollgeschlagen haben, telefoniere ich noch mit meiner Schwester, was ich auch sehr geniesse!
Am Freitag scheint dann endlich wieder einmal die Sonne! Dieses Wunder nutze ich, um mich mit meinem Cappuccino wieder einmal nach draussen zusetzten und etwas Vitamin D zu tanken. Allein dieses
bisschen Sonne macht mich unfassbar glücklich! Und am Abend bin ich bei zwei guten Freunden zum Znacht eingeladen. Wir essen, trinken Wein und unterhalten uns über Gott und die Welt, und dass in
Italienisch! Es ist ein wunderschöner Abend, den ich extrem geniesse!
Am Samstag stehe ich dann aber nicht ganz so früh auf wie geplant, denn es wurde gestern doch eher spät. Aber irgendwann sitze ich dann doch im Zug nach Caserta, um den Palast dort zu
besichtigen. Das Gebäude an sich ist schon total faszinierend, mit unfassbar vielen Räumen, die man besichtigen kann, aber das Highlight ist der riesige Garten, vor allem weil auch heute die
Sonne scheint! Ich sehe mir alle Räume an, picknicke dann im Schlosspark und spaziere noch eine Ewigkeit durch diese grüne Oase, die wirklich enorm ist! Dementsprechend bin ich aber auch ziemlich
fertig, als ich mich in den Zug zurück nach Napoli setze. Am Abend steht dann noch ein internationales Abendessen auf dem Programm, bei welchem all diese verrückten Gespräche, die ich am Anfang
genannt habe, stattfinden. Danach bin ich aber wirklich fertig und freue mich auf mein Bett und einen sehr entspannten Sonntag, den ich grösstenteils im Bett verbringe.
Wie gefährlich ist Napoli?
Ich sitze im Bett, eingekuschelt in eine Decke und mit einer Tasse Tee neben mir. Heute ist wirklich ein Tag, um
drinnen zu bleiben und sich einzukuscheln. Ich war gestern bei einem netten Abendessen und bin dementsprechend eher spät ins Bett gekommen und heute ist der ideale Tag, um einfach im Bett zu
bleiben. Ich mag solche Tage, an denen man einfach nur den Regentropfen zusehen kann und sich mit gutem Gewissen verkriechen kann, um zu lesen, zu lernen und über das Leben nachzudenken.
Gemütliche Regentage eben.
Allerdings regnet es hier in Napoli schon seit Anfang Monat mehr oder weniger jeden Tag. Und so ganz langsam geht es mir auf die Nerven. Zwischendurch gibt es auch immer wieder kurze sonnige
Episoden, allerdings nie länger als ein paar Stunden am Stück, immer wieder unterbrochen von heftigen Gewittern. Kalt ist es zum Glück nicht wirklich, sodass ich mich nicht allzu sehr beklagen
will, aber wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der eher miserablen Bausubstanz ist es eben überall ein bisschen klamm und feucht. Frischgewaschene Wäsche zu trocken ist zum Beispiel wirklich
eine Herausforderung.
Aber darum soll es heute eigentlich gar nicht gehen. Vielmehr wollte ich mich einer Frage zuwenden, die mir immer wieder gestellt wurde: Ist Neapel nun so gefährlich wie man hört oder
nicht?
Ich kann darauf natürlich nur mit meinen eigenen Erfahrungen antworten und je nachdem wo in der Stadt man sich aufhält, ist die Situation sicherlich wieder ganz anders. Aber hier, in der Altstadt
wo ich lebe, fühle ich mich ziemlich sicher. Ich gehe immer wieder spätabends allein nach Hause und habe noch keinerlei unangenehme oder gar gefährliche Erfahrungen gemacht. Einige meiner
Bekanntschaften leben im Nachbarquartier, dass einen ziemlich schlechten Ruf hat, und wenn ich bei diesen zum Znacht eingeladen bin, versuche ich jeweils nicht allein nach Hause zu gehen, aber zu
zweit hatten wir dann auch nie Probleme. Mir wurde bisher noch nichts gestohlen (und das obwohl die Tür zum Hostel oftmals einfach offensteht) und auch mit der Mafia habe ich noch keinerlei
Berührung gehabt. Wer sich in dieser Stadt mit ein bisschen gesundem Menschenverstand bewegt, sollte im Grossen und Ganzen keine Probleme haben, sie ist nicht gefährlicher als jede andere
europäische Grossstadt.
Was aber durchaus noch ein Thema ist, ist die Einstellung von Männern gegenüber Frauen. Ich hatte zum Glück bisher auch keine allzu negativen Erfahrungen, aber das einem auf der Strasse
nachgepfiffen wird, ist nicht unüblich. Auch wurde ich immer wieder verwirrt angesehen, wenn ich irgendwo allein hingefahren bin. Über das Verhalten der älteren Männer hier im Haus muss ich
jedoch vor allem schmunzeln. Wann immer ich vor einem die Treppe hinuntersteige und ihm die Tür aufhalte, stosse ich auf grosse Verwirrung. Und heute ist ein älterer Herr beinahe über seinen
Spazierstock gestolpert in der Hast, mir die Tür zu öffnen.
Was übrigens für Touristen durchaus gefährlich werden kann, ist der miserable Zustand vieler Gebäude in der Stadt. Wegen des heftigen Windes und Regens sind zum Beispiel viele Schulen in Napoli im Moment häufiger geschlossen als geöffnet, weil man fürchtet, die Kinder könnten von herabfliegenden Bauteilen getroffen werden. Das diese Gefahr nicht nur für Schulhäuser gilt, dürfte sich von selbst erklären…
Die ewige Stadt
Als ich im Februar meine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen habe, habe ich definitiv nicht damit
gerechnet, schon so bald zurück zu kommen. Als mich ein paar meiner neuesten Bekanntschaften gefragt haben, ob ich mit ihnen nach Rom kommen möchte, war mein erster Impuls denn auch: Nein, danke,
da war ich schon. Aber dann habe ich es mir doch genauer überlegt und ich bin so froh, dass ich noch einmal hingefahren bin!
Vor dem Rom-Ausflug hatte ich eine relativ ruhige Woche, in der ich brav meine Lektionen besucht habe und mich bemühte, mein Leben im Griff zu haben. Am Dienstagabend war ich wieder einmal im
Volleyball und am Mittwochabend habe ich einige meiner Sizilien-Freunde zum Znacht eingeladen. Dazu kam noch eine meiner temporären Mitbewohnerinnen aus Chile und wir haben einen sehr schönen
Abend verbracht.
Am Donnerstag ging es dann schon früh am Morgen los, um 7.00 trafen wir uns am Bahnhof, um von den dort den Flixbus nach Rom zu nehmen. So hatten wir noch etwas Zeit, um zu Frühstücken und fertig
wach zu werden, bevor wir in Roma Tiburtina ankamen. Das erste Ziel: eine Toilette und dann Kaffee. So gestärkt haben wir den Weg via Metro und Bus zu unserem Hostel unter die Füsse
genommen und uns erst einmal etwas eingerichtet. Danach war unser nächstes Ziel ein Laden, um Picknick zu besorgen und uns dann auf den Weg zur Piazza Navona, wo wir auch assen. Danach
spazierten wir zum Pantheon (auch beim zweiten Mal noch sehr beeindruckend!) und gönnten uns Gelato von der berühmten Gelateria 150 Gusti. Von dort ging es weiter zum Teatro di
Marcello, zum Circus Maximus und dann zum Giardino degli Aranci, wo wir den Ausblick über die Stadt bewundern. Auch ein Blick durch den Bucco della Serratura musste sein,
bevor wir schliesslich noch zur Piramide liefen, was allerdings nur mässig interessant war. Um Geld zu sparen wurde anschliessend im Hostel gekocht und dann legten wir uns früh schlafen,
weil alle ziemlich fertig waren und uns noch die kurze letzte Nacht in den Knochen steckte.
Die Nacht war trotz dem 12-Bettzimmer ganz erholsam und nach dem Frühstück spazierten wir zum Vatikan. Da ich das letzte Mal so endlos lang für die vatikanischen Museen anstehen musste, habe ich
ein bisschen Angst, aber wir kommen nach nur ca. 20 Minuten schon hinein und auch die Museen selber sind sehr viel weniger überfüllt heute. So kann ich fast 30min in der sixtinischen Kapelle
verbringen und mir wirklich alles in Ruhe ansehen. Damit wird auch mein kleines «Touristen-Trauma» vom letzten Mal geheilt. Nach einer kleinen Kaffeepause schleppe ich meine Mädels dann noch in
die Pinakothek, die wir letztes Mal überhaupt nicht gesehen haben, um mir die fantastischen Gemälde anzusehen. Der dritte Caravaggio in zwei Wochen, ich bin begeistert :)
Eigentlich hatten wir uns nach den Museen auch den Petersdom vornehmen wollen, aber die Schlange
ist so lange, dass wir unsere Pläne ändern. Statt der Kirche besichtigen wir daher die ehemalige Wohnung des Papstes, das Castel Sant’Angelo. Das Wetter spielt uns mit stürmischem Wind und
gelegentlichem, heftigem Regen zwar etwas übel mit, aber wir geniessen trotzdem die Ausblicke und machen unfassbar viele Fotos. Als wir diese Besichtigung beendet haben, dämmert es schon,
trotzdem sehen wir uns noch die spanischen Treppen und die Piazza del Popolo an, bevor wir ins Hostel zurückkehren. Mit der nächtlichen Beleuchtung ist das auch ganz schön! Auch
heute kochen wir wieder im Hostel und nach zwei Tassen Tee fühlen wir uns genug gestärkt, um noch einmal loszuziehen und uns auch die Fontana dei Trevi bei Nacht angesehen.
Wunderschön!
Nach dem Planwechsel von gestern ziehen wir am Samstagmorgen beizeiten los, um den Petersdom zu besichtigen und dass lohnt sich, denn wir müssen überhaupt nicht anstehen! Und wieder bin
ich so froh, noch einmal hier sein zu können, denn die Kirche ist gewaltig! Wir sehen uns alles gründlich an, die Kirche, die Krypta und auch die Kuppel. Auf dem Rückweg von diesem Aussichtspunkt
gönnen wir uns auf dem Dach der Kirche noch einen Kaffee und dann spazieren wir vom Vatikan zur Villa Borghese, die von einem wunderschönen Park umgeben ist. Eigentlich ideal für ein
Picknick, wir müssen aber wegen des Regens improvisieren. Unter einem Baum finden wir aber einen halbwegs trockenen Fleck und danach gibt es in der berühmten Patisserie Pompi ein super
leckeres Tiramisu to go! Während eine aus unserer Gruppe nun den Heimweg antreten muss, spazieren wir anderen noch eine ganze Weile durch die Stadt, bis wir dann erschöpft ins Hostel
zurückkehren. Nach einer kurzen Pause ziehen wir wieder los um die Zutaten für unser Abendessen zu besorgen und nach dem Znacht machen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch das
Ausgehviertel Trastevere, inklusive Gin Tonic und angenehm warmen Abendtemperaturen.
Nachdem wir mitten in der Nacht geweckt wurden, weil ein Fenster aufflog und es hereinstürmte, stehen wir am Sonntag noch früher auf, denn es stehen das Kolosseum und das Foro
Romanum auf dem Programm und wir wollen nicht ewig anstehen. Was uns auch gelingt, nicht einmal beim Kolosseum müssen wir warten! Wir sehen uns
um, machen Fotos und lesen unzählige Hinweisschilder. Als wir am frühen Nachmittag aus den Ausgrabungen stolpern, sind wir dementsprechend fix und fertig und wieder einmal von Regen begossen,
aber auch zufrieden. Nach Lasagne als Stärkung und Gelato zum Dessert spazieren wir noch einmal eine ganze Weile durch die Gassen und stöbern durch Läden, bevor wir für eine kurze Pause ins
Hostel zurückkehren. Wir trinken noch einmal ein paar Tassen Tee und holen unser Gepäck ab, dann fahren wir mit dem Bus zum Bahnhof Termini. Da wir vorsichtshalber genug Zeit eingeplant haben,
sind wir schon eine Stunde vorher da und setzten uns in den Wartebereich, um Znacht zu essen. Und werden plötzlich von einem kleinen Konzert des TheCoro überrascht, die eine wundervolle
Stimmung in den Bahnhof zaubern. So schön! Danach stehen uns nur noch 2.5h Zugfahrt zurück nach Napoli bevor und schliesslich auspacken.
Ich falle an diesem Sonntagabend totmüde ins Bett, aber auch sehr zufrieden. Mein Eindruck von Rom war nach der Reise mit der Uni etwas durchzogen, jetzt aber habe ich ein durch und durch
positives Bild von der Stadt (nachdem ich mich an Napoli gewöhnt habe, fühlt sich diese Stadt auch so viel ruhiger an!) Und auch meine Bedenken, mit drei anderen Menschen zu fahren, die ich so
gut wie gar nicht kenne, hat sich als unbegründet erwiesen. Ich habe mich mittlerweile wirklich sehr daran gewöhnt, mich mit Fremden zu arrangieren :)
Meine Reise-Must Haves
Heute möchte ich dir, geschätzter Leser, einmal meine top ten Dinge vorstellen, die ich hier täglich benutze und die sich als echte «Reise Must Haves» für mich herausgestellt haben.
Meine Turnschuhe. Ja sie sehen mittlerweile ziemlich mitgenommen aus, immerhin habe ich in den letzten beiden Monaten durchschnittlich 16'000 Schritte am Tag gemacht und die Schuhe wurden auch mehrmals vom Regen durchnässt. Trotzdem sind sie immer noch wahnsinnig bequem, auch wenn dieser Aufenthalt hier wohl ihre letzte Reise sein wird.
Mein Rucksack. Ich habe ihn mir vor dieser Reise gekauft und bin immer noch begeistert. Er sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr multifunktional einsetzbar. Egal ob für die Uni, für einen Tagesausflug oder gar für ein Wochenende, dieser Rucksack ist immer an meiner Seite.
Meine Notizbücher. Ja, meine Mitbewohnerin hat sich schon darüber amüsiert, dass ich mein halbes Büro hierhergebracht habe, aber ohne Notizbücher gehe ich mittlerweile nirgendwo mehr hin. Das blaue Notizbuch nutze ich, um alles festzuhalten, was mir einfällt. Im Gegensatz zu meinem ordentlichen Reisetagebuch kann ich hier ganz ungefiltert querbeet Gedanken festhalten, To Do Listen erstellen und Pläne schmieden, ohne mir Gedanken über das Layout machen zu müssen. Dazu kommt mein Reisetagebuch. Ich führe meistens Tagebuch, auch zuhause, aber unterwegs nehme ich mir gerne die Extrazeit, die es braucht, um all meine Tickets und sonstigen Erinnerungen einzukleben und zu notieren, was ich alles erlebt habe. Ich bin fast sicher, dass dies eine sehr schöne Erinnerung wird, wenn man wieder zurück ist.
Meine Powerbank. Leider ist der Akku meines Telefons nicht mehr ganz so zuverlässig, deshalb kommt die Powerbank vor allem dann oft zum Einsatz, wenn ich an einen neuen Ort komme und oft die Karte brauche. Denn Google Maps ist ein echter Akku-Räuber.
Meine Handtasche. Dieses gute Stück begleitet mich schon eine ganze Weile und sieht daher auch schon etwas mitgenommen aus, trotzdem würde ich sie nicht hergeben. (Auch wenn seit Halloween Kunstblut am Innenfutter klebt :P) Sie hat eine praktische Grösse, nicht allzu gross und trotzdem passt mehr hinein, als man glauben würde, ideal für Städtebummel.
Der lange Rock. Oder genau genommen meine beiden langen Röcke, denn von diesem Model habe ich zwei Stück. Sie sind super praktisch für etwas kühlere Tage, aber auch wenn es heiss ist, schwitzt man darunter kaum, man kann sich bücken ohne sich Gedanken machen zu müssen und hat trotzdem mehr Bewegungsfreiheit als mit Hosen und mir gefällt auch der Look. Einzig Treppensteigen ist ein kleines bisschen umständlich….
Meine Taschen. Auf meine grosse 46N Tasche habe ich ja auch in der Schweiz schon einmal eine Lobeshymne gesungen, denn das gute Stück war gar nicht einmal so teuer und hat mittlerweile doch schon ziemlich viel mitgemacht. Quasi wöchentliche Trips nach Basel, Reisen nach Marokko, Rom, Amsterdam, Wien, Prag und Napoli und auch hier benutze ich sie immer wieder, wenn ich für mehr als nur eine oder zwei Nächte weg bin. Als Ergänzung dafür, zum Beispiel zum Einkaufen, nutze ich gerne meinen «Revolverheld-Beutel», der leider mittlerweile schon etwas gelitten hat, den ich aber immer noch sehr liebe!
Apropos gelitten. Auch mein Portemonnaie sieht nicht mehr ganz so frisch aus wie auch schon, immerhin wurde es schon mehrmals durchnässt, achtlos in Taschen geworfen und sogar einmal verloren. Und trotzdem hat es mich noch nie im Stich gelassen und ich verbinde viele schöne Erinnerungen damit, immerhin ist es Geschenk von meiner Schwester.
Mein Badetuch. Es ist nicht nur ein Geschenk vom Turnverein und hält damit schöne Erinnerungen, sondern es ist auch super praktisch, vor allem bei meinem Hostel-Erlebnis, wo man oft nicht allzu viel Platz hat.
Und zu guter Letzt: Meine Kopfhörer. Sei es um meine tägliche Dosis Nachrichten via «Echo der Zeit-Podcast» zu konsumieren, für lange Fussmärsche oder Zugfahrten oder um den Lärm von schreienden Kindern, Verkehr oder der nächtlichen Müllabfuhr auszublenden, diese Dinge sind wirklich meine besten Freunde.
Je mehr Gedanken ich mir über diese Dinge mache, desto länger würde die Liste werden, aber dies sind definitiv die Dinge, die ich fast täglich brauche.
Eine etwas ruhigere Woche
Ausnahmsweise habe ich jetzt einmal nicht allzu viel zu berichten. Das Wetter war sehr durchzogen und es hat
sehr, sehr oft geregnet. Dementsprechend habe ich keine allzu verrückten Ausflüge unternommen. Ich habe viel Geld in Uni-Bücher investiert, denn wenn ich schon so oft die Vorlesungen verpassen
oder einfach gar keine stattfinden, muss ich mich ja irgendwie auf die Prüfungen vorbereiten können. Darüber hinaus musste ich mir notfallmässig wasserdichte Schuhe kaufen, weil meine Füsse
einfach durchgehend durchnässt waren (Meine Mutter ist normalerweise eine sehr zuverlässige Ratgeberin, was das Packen anbelangt und ich lege viel Wert auf ihre Empfehlungen, aber meine
Treckingsschuhe zuhause zu lassen, war definitiv ein Fehler) Darüber hinaus habe ich Vorlesungen besucht, Cappuccino in netten Cafés getrunken und mich mit meiner Mitbewohnerin unterhalten.
Am Dienstag war ich dann trotz schlechten Wetteraussichten in Sorrento. Das Örtchen ist idyllisch auf einer Klippe gelegen und dementsprechend sehr touristisch und ich habe den teuersten
Cappuccino meines Aufenthalts getrunken (man muss aber fairerweise sagen, dass er zumindest gut und schön heiss war) Was aber besonders verwirrend war, waren all die Weihnachtsdekorationen, die
schon überall hingen. Ich meine, es war jetzt nicht gerade heiss, immerhin war es sehr bewölkt, aber ich habe auch keine Jacke gebraucht. Ich habe mir die verwinkelten Gassen voller Souvenirs
angesehen, den Hafen inspiziert und ein leckeres Glace gegessen, danach bin ich wieder nach Hause gefahren. Wenn ich den Ort mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es gelb: Limoncello und
Zitronen im Allgemeinen sind so allgegenwärtig, dass es fast schon in den Augen schmerzt. Nach einem leichten Abendessen ging es danach dann noch zum Volleyball.
Am Mittwochabend habe ich mit einigen anderen Studenten aus meinem Sprachkurs spontan zu Abend gegessen. Wir haben Kebab geholt und dann in einer Wohnung gegessen, dabei veil geplaudert und
danach gab es sogar noch leckeren Tee aus Aserbaidschan in einer richtigen türkischen Teekanne. Es war nichts verrücktes, hat aber trotzdem unfassbar viel Freude gemacht.
Donnerstags fand dann ein «internationales Abendessen» statt, bei welchem jeder irgendetwas aus seiner Region mitgebracht hat, einige nur Kekse, andere ein ganzes Gericht. Wir sind
zusammengesessen, haben gegessen und wieder viel geplaudert. Irgendwie war es dann nämlich schon drei Uhr nachts!
Dementsprechend habe ich am Freitag etwas länger geschlafen, bevor ich an den Hafen spaziert bin, um meinen Cappuccino zu trinken. Das Wetter war um einiges besser als angekündigt und es war
sogar so warm, dass ich nur im Tshirt draussen sitzen konnte! Danach war ich an der Uni, habe mich um Hausarbeiten wie Wäsche gekümmert und war natürlich auch im Sprachkurs. Da es dann wieder
angefangen hat zu regnen und meine soziale Energie vollständig aufgebraucht war, habe ich kurzerhand beschlossen alle Einladungen zu zahlreichen Events auszuschlagen und mich einfach mit einem
guten Buch ins Bett zu legen und neue Kraft zu tanken.
Da es am Samstag immer noch schüttet, beschliesse ich einen Museumstag zu machen und spaziere in die Via Toledo, einer populären Einkaufsstrasse, in der sich auch die «Galleria d’Italia»
befindet, die sowohl eine temporäre Ausstellung über Berliner Kunst nach dem Mauerfall als auch eine Sammlung von beeindruckenden Gemälden aus verschiedenen Epochen beherbergt. Der ideale Ort für
dieses Wetter. Danach wird es Zeit für noch ein paar Besorgungen, bevor ich in eine improvisierte «Chorprobe» gehe. Diese findet in einer Art Museum statt und so spazieren immer wieder Leute an
unserem Klavier vorbei, trotzdem macht es Spass, mit ein paar anderen zusammen zu singen.
Den Sonntag verbringe ich mit zwei Türkinnen, mit denen ich nächste Woche spontan nach Rom fahren werde. Es ist ein weiteres, verrücktes Napoli-Projekt. Wir treffen uns zum Frühstück und
besprechen die Details unserer Reise, danach spazieren wir den ganzen Tag durch die Stadt, essen Gelato und stöbern durch einige Läden. Danach bin ich müde, aber auch zufrieden.
Auf dem Weg zurück nach Hause habe ich wieder einmal einen dieser Momente, in welchem mir bewusst wird, was für ein verrücktes Abenteuer ich gerade lebe und wie dankbar ich bin, es erleben zu
dürfen!
Dinge, die ich vermisse
Ich habe jetzt eine Menge davon gesprochen, was mir in Italien alles gefällt, was für wunderschöne Orte ich
besichtigt habe und wie nette Menschen ich getroffen habe. Daher möchte ich mich heute den Dingen zuwenden, die ich von zuhause vermisse. Denn auch das gehört dazu.
Als erstes natürlich meine Familie, ich glaube das muss ich nicht weiter ausführen, wir haben ein sehr gutes Verhältnis und dementsprechend fehlen mir vor allem unsere Gespräche.
Dann natürlich auch meine Freunde, insbesondere dann, wenn irgendwo gerade ein Fest oder ein Anlass stattfindet, an dem ich sonst auch immer mit dabei war. Aber sie machen sich alle die Mühe, mir
zu schreiben oder Bilder zu schicken, sodass ich mich auch nicht allzu ausgeschlossen fühle.
Wie ich schon erwähnt habe, vermisse ich auch meine verrückten Leute vom Turnverein und auch ein bisschen die regelmässigen Trainings, die einen einigermassen in Form halten. Vor allem aber
fehlen mir die Gespräche und die bescheuerten Witze.
Neben den Menschen, die ich vermisse, fehlen mir auch einige Dinge und Umstände von Zuhause.
Als erstes natürlich ein Zimmer nur für mich allein und ein bisschen Privatsphäre hi und da. Für ein paar Monate geht das schon ganz gut, aber ein bisschen vermisse ich meinen Frieden
schon.
Dann eine Dusche, aus der tatsächlich genug Wasser kommt, um die Haare vernünftig waschen zu können und die zumindest meistens sauber ist.
Eine intakte Toilettenbrille, auf der man nicht ständig durchs halbe Bad schlittert, weil sie sich aus der Halterung löst.
Eine Badewanne. Ist definitiv nichts, was man unbedingt haben muss, aber gerade jetzt, wo es
kälter wird, vermisse ich hie und da ein heisses Bad als kleines Timeout.
Vernünftigeres Toilettenpapier. Dieses dünne, billige Toilettenpapier des Hostels nervt....
Ein Backofen und etwas mehr Platz im Kühlschrank, um vernünftigerer kochen zu können. Was ich hier aber sehr schätze ist der Gasherd, der mich nach einer ersten Gewöhnungsphase mittlerweile
wirklich zu einem Fan gemacht hat.
Die Möglichkeit, draussen zu sitzen und zu essen. Wir haben zwar einen kleinen Balkon hier, was ich sehr schätze, aber er ist so klein, dass nur ein Stuhl darauf Platz hat und da die Gasse sehr
eng ist, hat man auch nur eine sehr kurze Zeit des Tages Sonne.
Eine Uni, in der ich zumindest ungefähr verstehe, was vor sich geht und die Dozenten sich die Mühe machen, tatsächlich zu den Lektionen aufzutauchen, dazu ein paar Gebäude, die nicht gleich
auseinanderfallen. Überhaupt vermisse ich meine Uni in Basel, die mir zuvor zwar chaotisch erschien, jetzt aber wie der der ordentlichste Platz auf Erden vorkommt.
Und natürlich auch etwas Ruhe, frische Luft und ein bisschen Grün.
Süssigkeiten, Regen und Kunst
Nach dem turbulenten Wochenende wurde es für mich Zeit, mich in dieser Woche wieder mehr meinem Studium und
einem zumindest halbwegs geregelten Schlaf- und Essrhythmus zuzuwenden. Wobei ich am Montag auch gleich wieder eine Vorlesung verpasse, weil ich etwa 2 Stunden auf eine Unterschrift eines anderen
Dozenten warten muss, der mir bestätigt, dass ich die folgenden Vorlesungen besuchen werde und auch die Prüfungen mache. Paradox irgendwie, aber eben auch typisch Napoli… Immerhin findet dann am
Abend der Sprachkurs nach Plan statt, wobei wir Teilnehmer dieser Sizilienreise alle noch etwas erschöpft sind…
Nach dem Kurs treffe ich mich noch mit zwei neuen Bekanntschaften von der Reise auf eine «Nuvoletta», eine typisch neapolitanische Süssspeise, die uns alle sofort süchtig macht. Um dann noch
etwas zu plaudern setzten wir uns eine der vielen Gartenbeizen und genehmigen uns eine andere Sünde, die man hier überall bekommt: Aperol Spritz. Nach all diesen Naschereien gibt es bei mir
danach eine ordentliche Gemüsepfanne als Abendessen.
Meinen freien Dienstag verbringe ich denn auch nur teilweise ausser Haus, allmählich wird die Liste der liegen gebliebenen Dinge immer länger. Da das Wetter aber wunderschön ist, lasse ich mir
einen kleinen Ausflug nicht nehmen und besteige zum ersten Mal einen Bus. Zu meiner Überraschung bringt mich diese auch absolut ohne Probleme nach Marechiaro, von wo ich mich zu Fuss auf den Weg
zum Gaoila-Strand mache. Dort hinzukommen ist aber gar nicht einmal so einfach, ich nehme mehrmals die falschen Abzweigungen und stehe sogar einmal vor einem komplett verschlossenen Tor. Aber die
Plagerei lohnt sich, dieses Fleckchen Naturschutzgebiet ist wirklich wunderschön! Ich sehe mich etwas um und ruhe mich kurz aus, dann mache ich mich aber wieder auf den Rückweg, denn es gibt ja
wie gesagt noch allerlei zu tun. Da der Bus auf dem Weg zurück in die Stadt noch im Verkehr stecken bleibt, kann ich das Chaos auf den Strassen aus erster Hand bestaunen und bin wieder einmal
sprachlos… Den Abschluss für diesen vielseitigen Tag ist dann ein Kino-Besuch. Von einer der anderen Unis wird im Moment jede Woche eine Filmabend organisiert, bei welchem Filme in ihrer
Originalsprache mit italienischen Untertiteln gezeigt werden. Heute sehen wir uns «A star is born» an, einen sehr, sehr traurigen Film. Als das Licht wieder angeht, finde ich mich nämlich neben
fünf richtig weinenden Frauen wieder. Um das eben Gesehene zu verarbeiten, setzten wir uns noch eine Weile in eine Bar, bevor die anderen dann weiterziehen und ich mich verabschiede. Meine
soziale Energie ist aufgebraucht…
Man kann ja sagen was man will, aber die Tatsache, dass ich nicht allzu oft an der Uni bin, scheitert also definitiv nicht nur an mir selbst! Heute war ich nämlich wieder einmal mit fünf anderen,
ratlosen Studenten in einem Hörsaal, ohne Dozent… Keine Ahnung, was da wieder schief gegangen ist… Dafür gibt es am Abend dann ein kleines Highlight. Ich habe einige meiner neuen Freunde zu einem
typisch schweizerischen Abendessen eingeladen und setze ihnen Älplermaggeronenen vor. Inklusive selbstgemachtem Apfelmus, was auf grosse Begeisterung stösst. Danach gibt es noch Dessert, wir
trinken Wein und plaudern. Bei sechs Leuten aus sechs verschiedenen Ländern und drei Kontinenten geht einem auch nicht so schnell der Gesprächsstoff aus. Ich geniesse diesen Abend auf jeden Fall
in vollen Zügen und bin auch froh, dass ihnen mein Geköch geschmeckt hat.
Am Donnerstag setze ich mich erst einmal morgens wieder in die Sonne am Hafen und schlürfe einen Cappuccino, einen der grossen Vorteile dieser Stadt! Danach bin ich aber brav an der Uni und heute
läuft sogar alles einigermassen nach Plan. Den Nachmittag (oder was zumindest dann noch davon übrig ist) nutze ich, um mir ein Kostüm für Halloween auszudenken. Denn mir wurde mehrmals klar und
deutlich mitgeteilt, dass sowohl Zuhause bleiben, als auch ohne Kostüm zu gehen, keine Option seien. Also besorge ich mir Styroporkugeln, Kabelbinder und Wackelaugen und improvisiere daraus, mit
etwas schwarzer Farbe, ein paar Spinnen. Diese kombiniere ich mit schwarzen Kleidern und werde damit zur «Spinnenfrau». Für den Event und die Gegenstände, die ich zur Verfügung habe, finde ich
das ziemlich gelungen. Danach spaziere ich mit meiner Zimmerkollegin zu einer Preparty, bei welcher es sogar richtig schöne Dekoration und Snacks gibt! Ich bin schwer beeindruckt! Die offizielle
Party verlassen Olga und ich dann aber relativ früh, da es regnet und wir beide auch müde sind. Am Freitag ist dann offizieller Feiertag und ich nutze die Gelegenheit, um mit dem Zug nach Salerno
zu fahren. Die Strecke dauert gerade einmal 40 Minuten und dann bin ich schon an der Amalfiküste. Ich habe Salerno nicht in bester Erinnerung, kleines Trauma vom letzten Mal, aber eigentlich ist
die Stadt ganz hübsch, auch wenn man die Altstadt und die Hafenpromenade in einem Tag doch ganz gut bewältigen kann.
Meinen Samstag nutze ich, um mehr oder weniger erfolgreich, endlich all den kleinen Pflichten nachzugehen, die schon so lange herumliegen und die ich immer weiter vor mir herschiebe.
Am Sonntag ist dann schliesslich ein Ausflug geplant, aber wegen des schlechten Wetters wird dieser abgesagt und ich muss mir ein Alternativprogramm ausdenken. Da an jedem ersten Sonntag im Monat
viele Museen gratis Eintritt haben, beschliesse ich ins Kunstmuseum «Capodimonte» zu gehen. Das bedingt einen 30min Fussmarsch, aber mit ÖV wäre ich auch nicht schneller, also nehme ich das auf
mich und trotz Nieselregen geniesse ich den Spaziergang sogar. Das Museum ist wegen des freien Sonntags ziemlich voll und einige Abschnitte sind gar nicht zugänglich, da sie umgestaltet werden,
aber ich geniesse diese Museumsbesuch (und auch den Ausblick vom Park!) trotzdem sehr. Vor allem mein erster echter Caravaggio begeistert mich natürlich! Mittlerweile hat es wieder heftig
angefangen zu Gewittern und ich bin nicht überrascht, als ich von Museumsmitarbeitern um eine Pfütze herumdirigiert werde (in der Gemäldegalerie, versteht sich!) Italien eben. Den Rest des Tages
verbringe ich dann wieder zuhause mit allerlei Kleinigkeiten und einem längeren Gespräch mit einem Deutschen, der sein Erasmus-Semester in Mailand verbracht hat. Den tollen Abschluss für diese
Woche bildet eine heisse Schokolade und endlich wieder einmal ein Tatort. Bei dem Wetter die absolute Idealbesetzung.
Zeit für ein Zwischenfazit
Nach mehr als sechs Wochen (wo geht bitte die Zeit hin???) wird es nun Zeit, ein erstes Fazit zu meinem
Austauschsemester zu ziehen. Ich denke die meisten von uns haben gewisse Vorurteile, bezüglich Erasmus, auch ich hatte sie, und ich möchte mich natürlich auch dazu äussern.
Um es vornweg zu nehmen, ja ich verbringe nicht allzu viel Zeit an der Uni, zumindest weniger als wenn ich in Basel bin. Aber das war auch so geplant, immerhin hatte ich seit meinem
Norwegenaufenthalt nie mehr als zwei Wochen Ferien am Stück und habe all meine Sommer mit Arbeiten verbracht. Dementsprechend soll dieser Italienaufenhalt durchaus auch ein bisschen Ferien sein.
Dazu kommt auch, dass viele Professoren ebenfalls oft abwesend sind und die Infrastruktur dermassen miserabel ist, dass man lieber nicht häufiger als nötig in der Nähe dieser Gebäude ist. Und ja,
auch mein Italienisch hat sich noch nicht signifikant verbessert, was vor allem daran liegt, dass ich meistens Englisch spreche. Zum einen, weil viele andere Erasmus-Studenten gar kein
Italienisch können, oder aber weil die Einheimischen hier nicht Italienisch, sondern Neapolitanisch sprechen (ein ganz anderes Kaliber…) sodass mein Italienisch mir nicht allzu viel bringt. Aber
zumindest während den Lektionen kann ich etwas davon aufschnappen und dass ist ehrlich gesagt auch der einzige Grund, warum ich überhaupt noch zu Vorlesungen gehe. Soviel also zur Uni-Seite
meines Aufenthalts.
Napoli ist eine Stadt, die eine zweite Chance braucht. Denn der erste Eindruck ist meistens eher schockierend. Der Abfall, die Motorräder überall, der Lärm, die Enge. Aber fast alle, die ich kenne, haben sich früher oder später in die Stadt verliebt. Es lohnt sich also, dem Ganzen ein bisschen Zeit zu geben. Dementsprechend waren auch meine ersten Tage in dieser Stadt nicht ganz so einfach. Ich habe mich einsam gefühlt und die Vorstellung, hier so lange bleiben zu müssen, hat mich eingeschüchtert. Dazu kam, dass ich mich vor der Abreise von meinem Freund getrennt habe (die meisten dürften das mittlerweile mitbekommen haben) und auch wenn es keine dramatische Trennung war und wir hoffentlich irgendwann tatsächlich Freunde sein können, war es natürlich eine zusätzliche Belastung. Mittlerweile habe ich mich aber gut eingelebt, habe nette Menschen kennengelernt, die gröbsten Uni-Probleme gelöst und mich tatsächlich in diese verrückte Stadt verliebt. Dieser Aufenthalt hier bietet mir damit auch wirklich die Möglichkeit, mich selbst besser kennen zu lernen und mich für einmal ganz auf mich allein zu konzentrieren. Und zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, dass mir das Ganze «neue Menschen kennenlernen» gar nicht so schwer fällt. Genau genommen mache ich seit Beginn meines Studiums nichts anderes. Auch in Basel habe ich ständig neue Leute kennengelernt, musste mir ein neues Umfeld aufbauen und habe oft die Sprache gewechselt. Zudem war ich dieses Jahr mit wildfremden Menschen in der Wüste und dann mit 30 anderen Studenten, die ich ebenfalls nicht gekannt habe, in Rom. Mittlerweile bin ich also, auch wenn ich es selbst fast nicht glauben kann, richtig gut darin, mich in neue soziale Kontexte einzufügen (wobei ich auf einer Party immer noch am Rand stehe und hoffe, dass niemandem auffällt, wie belämmert ich mich gerade fühle…) Ich bin also immer noch kein extrovertierter Mensch, aber ich habe viel gelernt, was den Umgang mit Fremden anbelangt. Und hier ist es tatsächlich einfacher, sich wirklich neue Freunde zu suchen, weil ich nicht auf meinen bestehenden Freundeskreis zuhause zurückgreifen kann und am Wochenende ohnehin in meinem sicheren Zuhause bin.
Aber auch wenn ich jetzt sehr viel Zeit mit «fremden» Menschen verbringe, nutze ich diese Reise doch auch als Gelegenheit, einmal ausgiebig Zeit mit mir selbst zu verbringen. Und auch wenn das für viele Italiener offenbar ein komplettes Unding ist, wenn ich alleine in ein Hotel einchecke oder mich ins Restaurant setze, tut mir diese «Allein-Zeit» doch auch wahnsinnig gut und ich geniesse es extrem, in solchen Momenten auf niemand anderen Rücksicht nehmen zu müssen.
So oder so lässt sich sagen, dass ich meine Zeit hier sehr geniesse. Es ist anstrengend, manchmal nervenzehrend und hin und wieder vermisse ich natürlich auch meine Familie, meine Freunde und überhaupt den Frieden zuhause, aber trotzdem fühle ich mich wohl hier.
Sizilien: Eine unvergessliche Reise
Ich weiss, ich wiederhole mich, aber: Was für eine Woche! Nachdem ich am Montag erst aus Ischia
zurückgekommen bin, steht am Dienstag dann ausnahmsweise einmal ein Zuhause-Tag auf dem Programm, damit ich trotz der Ausflüge mit der Uni nicht ins Hintertreffen gerate. (Wobei ich immer noch
das Gefühl habe, die Uni seriöser zu sehen, als einige meiner Dozenten…) Am Mittwoch besuche ich dementsprechend brav meine Vorlesungen und besuche danach mit anderen Erasmusstudenten einen
Welcome-Day der Stadt Napoli, wo wir sogar mit dem Bürgermeister der Stadt auf einem Foto landen! Danach bleibt gerade noch genug Zeit, um zu packen und eine Kleinigkeit zu essen, bevor wir zu
unserer grossen Reise aufbrechen. Das Ziel: Sizilien.
Hätten wir beim Einsteigen in den Bus schon gewusst, was uns erwartet, wären einige vielleicht zuhause geblieben. Die erste Etappe sollte uns über Nacht von Napoli nach Palermo bringen. Geplante
Ankunftszeit: 12.00 mittags.
Unsere tatsächliche Ankunftszeit: 18.00
Wie es dazu kam: Wir alle hatten uns auf eine lange Nacht eingestellt, denn trotz Reisekissen wird Schlafen eine anstrengende Aufgabe. Und dann, kurz nach halb eins, hält der Bus plötzlich an,
halb auf dem Pannenstreifen, halb auf der Strasse. Der Motor ist tot und wir bleiben liegen, mitten auf der Autobahn… Die Chauffeure beginnen wie wild zu telefonieren, es werden Warnlichter
aufgestellt, die Polizei kommt. Anfangs ist das alles zumindest noch ein bisschen spannend und wir hoffen bei jedem LKW, der an uns vorbeidonnert, dass niemand in uns . Doch als wir fast zwei
Stunden später immer noch dastehen, nimmt das Interesse langsam ab. Schliesslich kommt ein Abschleppwagen, der uns immerhin von der Autobahn herunterholt. Dann um vier die grosse Erleichterung,
es ist ein zweiter Bus angekommen, der uns abholen wird. Wir steigen aus… und warten… vergebens, denn nach 15 Minuten werden wir wieder zurück in den Bus geschickt. Der andere Busfahrer war schon
zu lange unterwegs und darf gar nicht mehr weiterfahren.. Also werden wir auf einen nahen Parkplatz geschleppt, wo um 5.00 dann ein Café öffnet. Ich habe in dieser Nacht vielleicht 30 Minuten
geschlafen, wenn überhaupt, und als wir den mittlerweile kalten Bus endlich verlassen können, geniesse ich meinen Cappuccino umso mehr. Und dann heisst es weiter warten. Die einen spielen bei
Sonnenaufgang Beerpong, wir tanzen zusammen mit der Barfrau und ich bin extrem froh, ein Buch mitgenommen zu haben. Als dann der Supermarkt in der Nähe öffnet, können wir Frühstück besorgen und
nach 11.00, nach über zehn Stunden Aufenthalt, geht es dann mit einem neuen Bus endlich weiter. Wir sind mittlerweile alle so fertig mit der Welt, dass sich einige Leute in den Mittelgang legen,
um zu schlafen und dass sogar ich ein Auge zukriege. Ein kleines Highlight ist dann immerhin die Überfahrt mit der Fähre nach Sizilien, wo wir endlich ein bisschen frische Luft schnappen und ein
bisschen die Gesichter in die Sonne halten können. Und auch wenn man es kaum glauben kann, erreichen wir danach endlich Palermo. Wir beziehen unser Hostel, dass richtig cool ist, auch wenn einige
meiner Mitreisenden über den Aufenthalt im 14er Zimmer nicht so glücklich sind. Wir haben nun Zeit, um zu duschen und durchzuatmen, dann gibt es eine kleine Tour durch das nächtliche Palermo. Als
wir danach Arancini und Cannoli probieren, beginnt es zu schütten, sodass wir auf dem Rückweg zum Hostel auch noch durchnässt werden… Was für ein Tag! Um den Abend doch noch versöhnlich
ausklingen zu lassen, setzten wir uns danach noch zusammen, trinken Wein und besuchen dann schliesslich mit Erasmus Palermo einen Club.
Dementsprechend bin ich alles andere als ausgeschlafen, als wir am nächsten Morgen in den Tag starten. Da es aber immerhin Frühstück im Hostel gibt, sind wir alle einigermassen bereit für neue
Schandtaten. Den Vormittag verbringen wir noch in Palermo und sehen uns die Stadt bei Tageslicht an, aber ich werde auf jeden Fall noch einmal wiederkommen, da dieser Ort mehr zu bieten hat, als
ich gedacht hätte! Um 12.00 müssen wir dann aber schon wieder zurück in den Bus, denn die nächsten Stationen rufen! Allzu weit kommen wir allerdings nicht…
Schon in der Peripherie von Palermo passiert, was wir alle nicht für möglich gehalten hätten: auch der neue Bus bleibt liegen! Jetzt bleibt uns wirklich nur noch das Lachen, ein solcher Zufall
ist doch fast nicht möglich! Während die beiden Fahrer verzweifelt versuchen, den Bus wieder zum Laufen zu bringen und den Verkehr zu regeln, machen wir uns spontan dazu auf, ein nahegelegenes
Castello zu besuchen. Typisch Italien wird eine spontane Lösung gefunden und ein Mitarbeiter überredet seinen Chef, uns gratis hereinzulassen, da es hier sonst überhaupt nichts zu tun gibt. Und
dazu bekommen wir sogar noch eine Führung! Danach suchen wir eine ganze Weile nach etwas zu essen und setzten uns schliesslich an einen (ziemlich schmutzigen) Strand. So warten wir bis fast um
sechs Uhr abends. Das Gute an diesem Tag: Obwohl dauernd schwarze Wolken über uns gehangen haben, blieb es trocken, bis wir losgefahren sind. Nachdem der Bus dann repariert ist, müssen wir noch
eine Weile warten, bis eine Griechin aus dem Spital zurück ist, denn zu allem übel hat sie auch noch (vermutlich) eine Blinddarmentzündung… Was für eine Pechsträhne! Aber schliesslich sind wir
unterwegs und kommen kurz vor elf und nach einem Fotostopp im Valle dei Templi in Agrigento an. Da um diese Zeit nichts anderes mehr offen hat, gibt es McDonalds zum Znacht, aber immerhin können
wir uns dazu hinsetzten. An diesem Abend gibt es denn auch kein weiteres Programm, wir alle wollen nur noch duschen und schlafen.
Da wir diese Nacht in einem Hotel verbracht haben, begrüsst uns am Morgen immerhin ein tolles Frühstück, sodass wir gestärkt in diesen Tag voll dichtem Programm starten können. Denn wir müssen
auch noch nachholen, was gestern alles keinen Platz mehr hatte. Daher ist unser erster Zwischenstopp der Strand mit der Scala dei Turchi, eine beeindruckende Steinformation! Wir sehen uns um,
machen Fotos und ich und ein paar andere springen auch kurz ins Wasser. Nach einer guten Stunde geht es dann schon wieder weiter, wir fahren nun bei Tageslicht zu den beeindruckenden Tempelruinen
im Valle dei Templi, inklusive einer kleinen Führung. Ich bin beeindruckt, sowohl von den Tempeln als auch vom Bick, den man von diesem Hügel aus hat! Aber auch hier haben wir nicht allzu viel
Zeit und müssen schon bald in den Bus zurückhüpfen. Nach all den Zwischenfällen gibt es nun jedes Mal Szenenapplaus, wenn der Bus tatsächlich abfährt. Nun haben wir etwas länger Zeit, um uns zu
erholen und die meisten von uns nutzen die Gelegenheit für ein Nickerchen. Am späteren Nachmittag kommen wir dann ohne Pannen in Catania an und dieses Mal wohne ich sehr schick nur in einem
Zweierzimmer mit eigenem Bad, und dass obwohl wir im Hostel untergebracht sind. Ich bin sehr zufrieden :) Die Leute von Erasmus in Catania zeigen uns danach etwas die Stadt und dann nutze ich mit ein paar anderen die Gelegenheit, uns von der grossen Gruppe abzusondern, um wie
zivilisierte Menschen gutes Essen an einem Tisch essen zu können. Wie es sich in Catania gehört, probiere ich Pasta alla Norma, die mir sehr gut schmeckt! Danach laufen wir noch eine Weile herum
und dann geht es zurück ins Hostel. Da auch heute ein Clubabend geplant ist, gibt es im hübschen Innenhof des (wunderschön dekorierten!) Hotels ein Vorglühen, dass wesentlich gemütlicher ist als
die Party danach. Ich gehe zwar mit, bin dann aber auch nicht unglücklich, als ich mit einigen Leuten schon bald wieder fliehen kann. In diesem Leben werde ich einfach nicht mehr zur
Club-Liebhaberin… Wir gönnen uns auf dem Rückweg noch Pommes und fallen dann fix und fertig ins Bett. Wenigstens gibt es eine Extra-Stunde Schlaf in dieser Nacht.
Heute gibt es leider kein Frühstück für uns, dafür können wir etwas länger schlafen und dann geht die Reise weiter. Unser nächstes und letztes Ziel ist das hübsche (wenn auch sehr touristische)
Städtchen Taormina, wo es dann auch endlich etwas zu essen gibt. Da es jetzt aber schon nach 12 ist, lassen wir das Frühstück aus und gehen direkt zu Arancini, und später dann Cannoli, über. So
gestärkt sehen wir uns den Ort genauer an (ich schliesse mich wieder einer kleineren Gruppe an, denn mit dem ganzen Haufen unterwegs zu sein ist so anstrengend!), machen Fotos und bestaunen die
Aussicht. Schliesslich geht es dann hinunter zum Strand von Isola Bella, wo die anderen ihre Beine strecken und ich noch einmal die Chance nutze, um kurz ins Meer springen zu können. Bevor uns
der Bus dann wieder aufliesst, nutzen wir noch die Gelegenheit um etwas zu essen, was sich als sehr weise Entscheidung herausstellt, denn eine offene Raststelle zu finden ist wesentlich
schwieriger, als angenommen. Ich bestaune die Lichter von Messina und vom Festland während der kurzen Fährüberfahrt und beende mein Buch, dann bleibt auch mir nur noch das Dösen. Wir sind alle
ziemlich fertig, als wir ohne Zwischenfälle um kurz nach 2 wieder in Napoli ankommen. Aber auch wenn auf dieser Reise vieles nicht nach Plan gelaufen ist, hatte ich doch eine Menge Spass und so
viele nette Menschen kennengelernt und spannende Gespräche geführt, dass ich mich wirklich nicht beklagen kann!
Eine kleine Roomtour:
Gestern habe ich sehr lange geduscht und dabei ist mir die Idee für diesen Beitrag gekommen. Ich habe das Bad nicht blockiert, weil mir gerade nach einer langen, heissen Dusche war oder weil ich besonders dreckig gewesen wäre, sondern weil so wenig Wasser aus der Brause kam, dass es Ewigkeiten gedauert hat, den wilden Wusch auf meinem Kopf nass und danach shampoofrei zu bekommen… Doch immerhin hatte ich dabei Zeit, diesen Blog in meinem Kopf schon quasi zu schreiben. Ich möchte heute eine Art kleine Roomtour durch mein momentanes Zuhause geben, sodass du, geschätzter Leser, vielleicht einen etwas besseren Einblick in mein Leben hier bekommst:
Unser 5er Zimmer im Überblick :)
Unser Balkon. Etwas, was ich an unserem Zimmer liebe, man kann sich kurz raus setzten oder auch nur Kleider aufhängen, dass macht unser Leben auf jeden Fall einfacher!
Mein Bett. Mein Arbeitsort. Mein Sofa. Ich schlafe hier, ich schreibe meine Blogs meistens hier, ich erledige allerlei andere Dinge an meinem Laptop hier und tagsüber ist das Bett auch Ablagefläche. Mit meinen Papeteriesachen teile ich sogar in der Nacht mein Bett, wie es sich für eine echte Papierliebhaberin gehört.
Mein Nachttisch. Das Körbchen habe ich selbst gekauft und an zwei schon bestehende Nägel gehängt. Es ist mein Nachttisch und Ablagefläche für meine Bücher, Ladekabel und meine kleinen Erinnerungen von zuhause.
Meine Krimskramskiste. Hier bewahre ich alle Dinge auf, die ich regelmässig brauche, wie zum Beispiel meine «Beauty-Sachen», meinen Rucksack und alle möglichen anderen Sachen. Dank dem TV-Dekor fühlt es sich richtig wie zuhause an.
Meine Küche. In dieser Box bewahre ich alle meine Lebensmittel und mein Geschirr auf, weil in der Gemeinschaftsküche alles sofort Beine bekommt, was herumsteht.
Mein Kleiderschrank. Mein Koffer fungiert hier im Moment als Kleiderschrank, ich bewahre all meine sauberen Sachen darin auf und diejenigen Stücke, die gerade in Nutzung sind, lagere ich obendrauf.
Unsere tatsächliche Küche (Leider nicht immer so sauber wie jetzt gerade :P)
Unser Badezimmer. Auch das könnte oft sauberer sein und manchmal ist der Wasserdruck eher problematisch, aber es ist immerhin alles vorhanden, was man braucht.
Ischia
Nun also zu Teil II des Blogs von letzter Woche. Nachdem ich brav mein Unipensum erledigt habe,
steht am Wochenende dann eine kleine Reise auf dem Programm. Ich stehe sehr früh auf (zumindest für die übrigen Bewohner meines Zimmers
😊), denn das Boot nach Ischia fährt bereits um halb neun und ich will früh genug dort sein. Auf dem Fussmarsch zum Hafen bekomme ich aber
immerhin eine wunderschöne Morgenstimmung als Entschädigung. Da ich nicht weiss, von welchem Teil des Hafens die Fähren fahren, lande ich schliesslich in einem «Alioscafo», den kleinen,
geschlossenen Touristenbooten, die zwar sehr schnell sind, aber in denen man dafür eingepfercht ist wie in einem Bus. Damit haben wir auch schon sehr unangenehme Erfahrungen gemacht… Heute war
das Meer aber schön ruhig und so kann ich trotz schmutzigen Fenstern etwas den Ausblick geniessen, während ich meinen Cappuccino schlürfe. In Ischia angekommen sehe ich mich erst einmal etwas um
und bestaune den Hafen. Danach erledige ich ein paar Einkäufe und setzte mich eine Weile an den Hafen. Nach einem kleinen Picknick spaziere ich zum Castello Aragonese, einer Festungsanlage, die
auf einer kleinen Insel vor der Insel liegt. Das Ticket für diesen Ausflug ist mit 10£ zwar eher teuer, aber es gibt auch einiges zu sehen und vor allem die Terrassen voller mediterraner Pflanzen
mit dem Meerblick sind atemberaubend! Nachdem langen Fussmarsch zurück ins Zentrum kann ich mein Hotel beziehen und richte mich kurz ein. Da das Wetter aber super schön ist, halte ich es drinnen
nicht lange aus und spaziere zum Strand. Das Wasser hier ist wunderbar klar und schön warm, sodass ich meinen Strandnachmittag richtig geniessen kann. Als die Sonne sich dem Horizont (oder eher
den Hügeln der Insel) nähert, wird es kühler und ich packe meine Sachen zusammen. Bevor ich aber ins Hotel zurückkehre, gibt es für mich noch Apero am Strand, was für eine wunderschöne Stimmung!
Danach wird es Zeit, um zu duschen und meine Strandsachen zum Trocknen aufzuhängen. Da es für Znacht immer noch etwas früh ist, schreibe ich noch etwas Tagebuch und sehe mir eine seltsame Sendung
im italienischen Fernsehen an (Wlan hat es nämlich keines, also heute kein Youtube für mich
😊) Danach gehe ich schliesslich zum Abendessen und sorge beim Kellner des Restaurants für
Aufregung, weil ich ganz allein unterwegs bin (mehr dazu in einem späteren Blog) Nach dem Essen mache ich noch einen kurzen Spaziergang und verbringe dann den Rest des Abends mit meinem
Buch.
Am Sonntag bin ich dann schon relativ früh auf den Beinen und auch das Frühstück hält mich nicht allzu lange auf, da es nur pampige Brötchen und Gipfeli gibt, immerhin ist der Cappuccino aber
super! Danach besorge ich mir Bustickets und fahre mit den überraschend regelmässig verkehrenden Bussen nach Fontana, dem höchstgelegenen Dörfchen der Insel. Das Bussystem ist allgemein ziemlich
engmaschig, nur die Busse haben ihre besten Zeiten längst hinter sich… In Fontana angekommen beginne ich meinen Aufstieg zum Monte Epomeo, dem höchsten «Berg» der Insel (m). Oben angekommen ist
der Ausblick tatsächlich fantastisch, man sieht über die ganze Insel, Capri, Procida und auch das Festland. Es hat allerdings etwas viele Senioren, die sich nur ganz langsam über die Steine
bewegen und ich war auch überrascht, wie schnell ich oben war. Eine knappe Stunde hat völlig gereicht. Daher habe ich mich nach dem Gipfelfoto dazu entschlossen, nicht wieder nach Fontana
zurückzulaufen, sondern nach Forio, ein Örtchen an der Küste. Der Abstieg an sich war nicht allzu wild, ein grosses Stück ging es durch dichte Kastanienwälder, wunderschön! Allerdings haben die
Ischianer es nicht so mit der Beschilderung und so war ich mir im dichten Wald nie wirklich sicher, ob ich überhaupt auf Kurs bin. Als ich dann auf andere Wanderer stosse, sind wir, glaube ich,
beide sehr froh jemanden zu finden, der aus der Richtung kommt, in der wir jeweils gehen wollen. Endlich unten angekommen gönne ich mir eine Auszeit am Strand, das Wasser hier ist wirklich
wunderschön klar! Bevor die Sonne im Meer versinkt, besuche ich noch die bekannte Kirche … und mache Apero in einer kleinen Gartenbeiz. Danach sehe ich mir den Sonnenuntergang an und dieser ist
atemberaubend! Danach treffe ich im Bus zurück nach Ischia Porto noch ein paar andere Schweizer, die mit den Haltestellen ungefähr gleich verwirrt sind wie ich. Aber ich zumindest komme gut
zuhause an und nach dem Abendessen mache ich noch einen langen Strandspaziergang. Das ist das schöne an einer Insel, die quasi nur von deutschen Rentnern bevölkert ist, man kann auch abends
unbesorgt herumspazieren. (Oder zumindest ist es weniger gefährlich als in einer Grossstadt) Am Montag ruft dann zwar die Uni wieder, aber weil mein Geschichtsprofessor heute nicht da ist, muss
ich erst um 16.00 zurück in Napoli sein. Die mir verbleibende Zeit nutze ich noch, um einen weiteren Strand zu besuchen, es dauert allerdings länger dorthin zu kommen als geplant. Nach der
Abkühlung besorge ich mir Zmittag und picknicke dann gemütlich auf der Fähre, die mich zurück nach Napoli bringt. Da es immer noch super schönes Wetter und sehr warm ist, ist diese Überfahrt
wirklich ein Genuss!
Zwei Znachtdates in Napoli
Was für eine Woche! Nachdem ich die Sonntagnacht so ruhig alleine verbringen konnte, bin ich danach voller
Energie in die nächste Woche gestartet. Und zwar in einem ersten Schritt mit einem sehr ausgedehnten Spaziergang. Vorher habe ich mir aber noch Frühstück besorgt und die ersten Sonnenstrahlen auf
meiner kleinen Terrasse genossen, ein wunderschöner, kurzer Moment der Stille. Nachdem ich dann alles wieder zusammengepackt habe, bin ich zu Fuss nach Napoli zurückgelaufen (Marechiaro ist genau
genommen zwar immer noch ein Teil der Stadt, liegt aber fast 1.5h ausserhalb des Zentrums). Da ich dabei meist einen atemberaubenden Blick auf die Stadt, den Vesuv und die gesamte Bucht hatte,
war es die Wanderung auf jeden Fall wert, zumal ich mit dem Busnetz von Neapel noch nicht wirklich warm geworden bin. Nach diesem langen Fussmarsch habe ich mir dann einen leckeren Cappuccino
gegönnt und war dann brav in meiner Vorlesung und abends auch im Sprachkurs.
Nachdem ich so meine kleine «Staycation» beendet habe, wurde es Zeit, mich endlich ernsthaft der Uni zu widmen. Ich habe mich nun dazu entschlossen, neben dem Sprachkurs noch eine Vorlesung zur
Einführung in die moderne Geschichte und eine zu Kunstgeschichte zu besuchen, zudem setzte ich mich auch in eine Veranstaltung zur Geschichte der Philosophie. Diese ist zwar sehr interessant und
der Dozent zur Abwechslung auch einmal richtig engagiert, allerdings bin ich mit den Konzepten und Autoren der Philosophie nicht bewandert genug, um dem Unterricht auch in Italienisch wirklich
folgen zu können. Aber als interessante Gedankenübung und um mein Italienisch zu verbessern taugt es alleweil. Am Dienstag habe ich zudem gar keine Vorlesungen, sodass ich wieder ein Projekt
unternehmen konnte, heute standen also die Ruinen von Ercolano auf dem Programm. Pompei habe ich ja schon vor einigen Jahren mit meiner Familie besucht. Die Ausgrabungen von Ercolano sind zwar
wesentlich kleinflächiger als die von Pompei, dafür ist die Stadt um einiges besser erhalten, teils sogar die oberen Stockwerke! Ich bin ziemlich beeindruckt, auch wenn es zwischen den Ruinen
irgendwann ziemlich heiss wird. Also spaziere ich weiter bis zum Strand und picknicke gemütlich, bevor ich nach einem Sprung ins kühle Nass nach Napoli zurückkehre. Am Mittwochabend steht dann
ein weiteres Highlight auf dem Programm, ich habe mich mit Nina getroffen, einer Studentin aus Wien. Wir haben in einem etwas kuriosen Lokal zu Abend gegessen und über Gott und die Welt geredet,
eine Unterhaltung, die ich sehr genossen habe! Und am Freitag stand dann schon das nächste Abendessen auf dem Programm, vorher habe ich aber noch ein Date mit der letzten der drei «Free Walking
Tours» die für Napoli angeboten werden. Ganz zufällig habe ich vor Antritt dieser den hübschesten Cappuccino meines Aufenthalts hier getrunken, in einem netten kleinen Café. Die Tour hatte
natürlich gewisse Überschneidungen mit den anderen beiden, aber ich habe doch noch einmal einiges Neues erfahren und nachdem die Tour beendet war, habe ich mich noch mit einigen anderen
Teilnehmern zu einem Mittagessen zusammengesetzt. So habe ich einen Syrer kennengelernt, der in der Schweiz arbeitet und auch noch einige andere super nette Menschen! Beflügelt von diesen
Erlebnissen habe ich mich dann durch meine Unilektionen gekämpft, um mich dann abends mit Marta zu treffen. Marta und ich haben ein Semester zusammen in Basel gekocht und da sie nun in Neapel in
den Ferien war, liessen wir uns die Gelegenheit für ein langes Gespräch nicht entgehen. Wir haben nicht nur gut gegessen, der Abend hat auch sehr viel Spass gemacht!
Bevor ich diesen Blog nun vollkommen sprenge, werde ich das Wochenende in einem weiteren Blog packen, den ich morgen online stelle, denn auch da habe ich viel erlebt!
Neapel in einigen Bildern
Ich habe in diesem Blog bereits einmal über meine Eindrücke von Neapel gesprochen. Jetzt, da ich schon eine ganze Weile hier bin, möchte ich noch einmal versuchen, dir, geschätzter Leser, diese vielseitige Stadt näher zu bringen. Hier also ein paar «Bilder» von Napoli:
Kleine, dunkle Wohnungen im Erdgeschoss, deren Küchenfenster und -Türen direkt hinaus auf die Strasse gehen. Als Fussgänger geht man also dauernd quasi durch irgendwelche Wohnzimmer.
Enge Gassen, durch welche Motorräder rasen und über denen Wäsche wie eine bunte Festtagsdekoration hängt.
Riesige Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Containerschiffe, dazu sehr niedrig fliegende Flugzeuge (der Flughafen von Neapel liegt sehr nahe an der Stadt!) die immer ein bisschen von Fernweh mit sich bringen
Flinke Kellner, die den Espresso im Plastikbecher und den Fitnessriegel direkt von der Kaffeebar ins Büro liefern, wenn es sein muss auch einhändig auf dem Roller (die andere Hand muss schliesslich das Tablet halten)
Fliegende Händler, die fest davon überzeugt sind, dass eine neue Sonnenbrille oder Handtasche genau das ist, was du jetzt am dringendsten brauchst
Kleine rote Hörner, die aussehen wie Chilischoten, die wirklich allgegenwärtig sind und ein Glücksbringer typisch für diese Stadt darstellen
Todesanzeigen und kleine Altäre, die einem überall hinbegleiten und deren bunte Farben und schrillen Beleuchtungen zumindest meine Vorstellung von Schön meilenweit verpassen
Ebenso allgegenwärtig: Bilder, Aufkleber und Souvenirs mit Diego Maradona (dazu mindestens so präsent Fanartikel des FC Napoli, Fussball ist hier wirklich eine Religion!)
Enge, dunkle Altstadtgassen, in denen sich der Geruch von Pizza, Lederprodukten und Kaffee mit den Abgasen der Motorini mischt
Strassen als Tummelplatz mit so gut wie keinen Regeln. Die Strassen werden nicht nur dazu verwendet, halsbrecherisch zu fahren (wenn kümmert es schon, wie viele Spuren auf der Strasse eingezeichnet sind, solange sich die Autos noch knapp aneinander vorbeischieben können?) sondern dienen gleichzeitig auch noch als Parkplatz, Verkaufsfläche, Treffpunkt und als Fussgänger muss man sich einfach durchschlängeln. Ich habe schnell gemerkt, dass es vergebens ist, an einem Fussgängerstreifen zu warten, niemand wird anhalten, aber wenn man sich mutig auf die Strasse begibt, wird man netterweise doch umfahren (aufzupassen lohnt sich trotzdem!)
Wäscheständer, die an Hauswände angekettet sind, sind übrigens auch keine Seltenheit, sondern sieht man immer wieder. Wer keinen Balkon hat, um die Wäsche aufzuhängen, der muss sich eben anderswie behelfen
Polizeiautos, die sich ebenso haarsträubend fahrend in den Verkehr einordnen, sind übrigens auch keine Seltenheit
Der allgegenwärtige Kegel des Vesuvs am Horizont. Er soll einer der Gründe sein, weshalb die Napoletaner noch mehr die «mach ich morgen» Einstellung haben als der Rest Italiens. Auf dem gefährlichsten Vulkan Europas zu leben, scheint wohl einen positiven Effekt auf das Geniessen des Lebens zu haben, aber nicht unbedingt auf Produktivität und Effizienz
Und nun noch ein paar Worte zur Kulinarik:
(Und ich kann dir sagen, die Tatsache, dass nur auf meinem Weg zur Uni schon unzählige Aperol Spritz Stände und Pizzerien liegen und die nächste, sehr gute, Gelateria so nahe liegt, dass ich das
Eis danach in meinem Bett essen kann, ist eine Herausforderung für die Selbstbeherrschung. Aber hei, ich passe noch in meine Hosen, alles in Ordnung
:P)
Kaffee, Kaffee, Kaffee. Überall! Ich habe gerade einen Film gesehen, der sich mit den Klischees von Süditalien beschäftigt und ungefähr das erste war die Menge an Kaffee, die hier getrunken wird. Und die ist wirklich verrückt. Ich bin gerade dabei, mich für Koffein zu desensibilisieren, denn ich liebe den Geschmack von Kaffee, es macht mich nur leider ziemlich nervös. Aber in einer Stadt wie dieser kann man einfach nicht nein sagen zu Kaffee! Vor allem nicht, wenn man einen fantastischen Cappuccino schon für 1.20£ bekommt!
Hat Nutella eine grosse Fabrik in der Nähe von Neapel? Ich glaube es gibt kein internationales Produkt, dass in allen Läden, in allen Frühstücksgebäcken und selbst auf der Pizza anzutreffen ist.
Pizza. Auch ein Klischee, aber hier gibt es tatsächlich Pizza, die beim Kauf gefaltet wird und dann wie Sandwiches direkt unterwegs gegessen werden kann (Pizza a Portafoglio) Und das für läppische 2 Euro!
Von den Süssigkeiten fange ich lieber gar nicht an, denn ansonsten bekomme ich wieder Lust loszuziehen und mir etwas zu kaufen. Diese Stadt verlangt ordentlich Selbstdisziplin, wenn man nicht zunehmen möchte…
Sand im Haar und Salz in den Augen
Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Horrorszenario klingt, hat sich für mich definitiv
nicht wie eines angefühlt! Dieser Blog könnte sich ein bisschen in die Länge ziehen, denn in den letzten sieben Tagen ist so viel passiert! Vor genau einer Woche bin ich um diese Zeit vor lauter
Aufregung fast auf und ab gehüpft, denn am Dienstagmorgen ist meine Familie mit der Fähre angekommen. Das hat zwar etwas Zeit gebraucht, da das Schiff überhaupt erst verspätet angekommen ist,
aber die Vorfreude hat die Warterei vergessen gemacht. Danach hat der Irrsinn aber erst begonnen, mit einem Wohnmobil durch Neapel zu fahren, ist der totale Wahnsinn! Aber irgendwie haben wir es
geschafft und nach einer kleinen Stärkung konnten wir mit der Erkundung der Stadt beginnen. Ich habe ihnen den Ausblick vom Vomero-Hügel gezeigt, dann haben wir uns die Meerseite angeschaut und
natürlich auch die Altstadt, inklusive meiner fürstlichen Bleibe. Nach einem gemütlichen Apero und einem leckeren Abendessen ging es dann mit der Metro zurück zum Stellplatz und dann ab ins Bett.
Den Mittwoch haben wir zumindest teilweise fahrend verbracht, denn wir haben von einer Küste Italiens zur anderen gewechselt, inklusive einer kleinen Irrfahrt auf der Suche nach einem Laden, bis
uns schliesslich ein Schweizer abgefangen und uns den Weg gezeigt hat. Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten hatten wir dann am Nachmittag doch noch etwas Zeit zum Baden und für einen Apero, der
sich dann in einen sehr witzigen Abend ausgeweitet hat.
Nach einem leckeren Cappuccino fuhren wir dann am Donnerstag weiter, um uns die Kulturhauptstadt Matera anzusehen. Der Besuch in den Sassi war sehr eindrücklich, wenn bei strahlendem
Sonnenschein auch etwas anstrengend. Am Nachmittag sind wir dann nach Taranto weitergefahren, wo wir uns auf einem gemütlichen Campingplatz, auf dem wir quasi allein waren, eingerichtet haben.
Ein langer Strand quasi für uns allein, das Rauschen der Brandung im Bett und ein wunderschöner Sonnenunter- und Mondaufgang. Was will man mehr. Für den Rest des Tages hiess es dann wieder Baden,
sünelen, lesen und natürlich ausgiebig plaudern. Am Freitagabend sind wir dann noch auswärts essen gegangen, wenn auch nicht allzu stilvoll :) Am Samstag hiess es dann leider auch schon wieder Abschied nehmen,
während meine Eltern noch eine Woche mit dem Wohnmobil durch die Gegend flitzen, ging es für meine Schwester zurück in die kühle Schweiz und für mich zurück ins chaotische Napoli.
Ich habe diese gemeinsamen Tage sehr genossen und es wäre eine Lüge zu behaupten, der Abschied sei mir leichtgefallen. Aber immerhin gibt es hier im warmen Süden noch so viel zu sehen und so viel
zu erleben, dass mir bestimmt nicht langweilig wird. Und damit ich gar nicht erst deprimiert werden konnte, schmiedete ich sofort wieder Pläne. Das Ende dieser wunderschönen Woche war dann
dementsprechend ein Aufenthalt in Posillipo. Dieser Stadtteil von Neapel ist um einiges grüner und hügeliger als das Zentrum der Stadt. Weil der öffentliche Verkehr dorthin ziemlich schwierig
ist, und ich mir den Sonnenuntergang ansehen wollte, habe ich beschlossen, mir den Luxus einer Übernachtung in einem Bed and Breakfast zu gönnen. So hatte ich reichlich Zeit, mir den Ort/das
Quartier Marechiaro anzusehen (wunderschön!) und den Sonnenuntergang vom Parco Virgiliano zu bestaunen. (Ebenfalls sehr eindrücklich!) Ich habe mich an diesem Tag auch fast die Füsse
wundgelaufen, weil, wie gesagt, ÖV ist hier eher schwierig, aber es hat sich gelohnt! Und am Abend dann in die Stille eines Zimmers nur für mich allein heimzukehren, war ein fast schon
ungewohntes Erlebnis. Tatsächlich war es nach ziemlich genau einem Monat die erste Nacht, die ich alleine verbracht habe und die ich dementsprechend durchschlafen konnte. Was für ein
fantastisches Gefühl!
Erste Eindrücke von der Uni
Nach einer Woche mit Vorlesungen möchte ich nun an dieser Stelle ein paar Worte über meine neue Universität
verlieren. Und um es gleich vorneweg zu nehmen: Ich bin schockiert!
Der Zustand, in welchem sich die Gebäude der Uni befinden, ist schlicht nicht anders zu beschreiben als miserabel. Ich war jetzt an verschiedenen Standorten und alle sind nur wenige Schritte
davon entfernt, eine Bauruine zu sein. Dabei sind sie alle durchaus monumentale Bauwerke, mit geräumigen Treppenhäusern, riesigen Fensterfronten und imposanten Eingangstüren. Ich war auch schwer
beeindruckt von den riesigen Fenstern und dem beeindruckenden Ausblick, der sich mir bot, als ich auf die Toilette ging. Ich konnte über die halbe Altstadt bis zum Meer sehen. Dafür hatte es
keine Türschlösser, kein Toilettenpapier und es war schmutziger als in den meisten öffentlichen Toiletten… Aber man kann nicht alles haben, nehme ich an. Die Hörsäle sind ebenfalls alle viel zu
klein, die Technik miserabel und alles fällt auseinander. Überall Graffiti, Flecken und abfallender Putz. Auch von aussen sehen die Gebäude miserabel aus. Für ein Semester ist das nicht allzu
tragisch, aber wer hier sein ganzes Semester verbringt, hat wirklich einen traurigen Blick auf den Zustand des Bildungssystems hier. Dementsprechend mag es wenig überraschend, dass die Studenten
während der Veranstaltungen relativ respektlos kommen und gehen, plaudern und essen.
Ich war aber nicht nur an der Uni, sondern habe auch ein paar andere Dinge erlebt. So war ich mit einer Tschechin, die ich letzte Woche auf der Wanderung kennen gelernt habe, im Archäologischen
Museum und auf einer Stadtführung. Das war spannend, vor allem aber habe ich unsere angeregten Gespräche genossen. Am Sonntag war ich dann auch noch mit anderen Studenten in Marino an einem
Weinfestival. Es war eine ziemlich lange Reise, denn Marino liegt wesentlich näher bei Rom als bei Napoli, aber die Fahrt bot auch Zeit, um zu plaudern. Das Festival selbst ist weniger
faszinierend als gedacht, es ist in erster Linie ein Stadtfest und dazu hat es auch noch eine ganze Weile geregnet, was für uns eher ärgerlich war. Das «Wunder», bei welchem Wein aus einem
Brunnen fliesst und für das es sogar einen Countdown gab, war dann auch eher lächerlich (der Wein kam dann nicht aus dem Brunnen, sondern aus Schläuchen, aber naja…), aber immerhin gab es Wein
(auch wenn dieser nicht allzu gut war) Trotzdem habe ich diesen Ausflug sehr genossen und wieder nette Studenten kennen gelernt und vermutlich ist ja auch genau dies das Hauptziel bei solchen
Ausflügen.
Noch ein kleiner Disclamer für nächste Woche: Da mich ab Dienstag meine Familie besuchen kommt (worauf ich mich unglaublich freue!) wird am Donnerstag kein Blog online kommen, erst am Sonntag wieder.
Licht am Ende des Chaos-Tunnels
Es liegen wieder turbulente Tage hinter mir. Nach der wunderbaren Wanderung am Sonntag hatte ich einen noch viel
wunderbareren Muskelkater, denn ein gutes Stück des Abstiegs ging es über Treppen, was wahnsinnig in die Waden ging. Davon liess ich mich aber nicht abhalten, am Montag doch allerlei Dinge zu
erledigen. Um den Tag mit Energie zu beginnen, gönnte ich mir aber meinen ersten echten Napoli-Cappuccino (vorher hat es sich irgendwie nie ergeben) und hatte dann ein sehr erhellendes Gespräch
mit einem Dozenten. Er hat nicht nur Deutsch gesprochen, sondern war auch der erste an dieser Uni, der mir nicht das Gefühl gab, ich sei ein Ärgernis. Vielmehr hat er sich sehr nett danach
erkundigt, wie mir die Stadt gefällt, ob ich gut wohne etc. Vor allem aber konnte er meine Fragen bezüglich Kurse belegen und so weiter beantworten und hat das Uni-Chaos in meinem Kopf etwas
sortiert. Dass ich für dieses Gespräch zwei Stunden vor dem Büro warten musste, ist danach völlig vergessen. Anschliessend hatte ich dann auch bald schon meine erste Vorlesung, was allerdings ein
eher verstörendes Erlebnis war. Der Dozent hat ganze zwei Stunden herumgebrüllt, wie wichtig Literatur sei, hat dabei so schnell gesprochen, dass ich höchstens einen Zehntel davon verstanden habe
und hatte extreme Stimmungsschwankungen, vom Selfie mit der Klasse bis hin zum herumschreien wir sollen still sein. Dass ich dazu noch die ganze Zeit über stehen musste, hat das ganze keineswegs
besser gemacht. Da ich danach ein kleines bisschen entnervt war, gönnte ich mir eine ordentliche Pizza und unterhielt mich dann lange mit einer Kommilitonin aus Wien. Trotz der kulturellen
Erfahrung tut es manchmal auch ganz gut, mit jemandem Deutsch sprechen zu können.
Der Dienstag war dann weniger produktiv, ich habe mich etwas kränklich gefühlt und mir fehlte die Motivation für eigentlich alles. Dementsprechend blieb ich vor allem im Hostel und habe ein
bisschen an meinen Altlasten aus Basel gearbeitet. Am Abend ging ich denn auch früh zu Bett.
Mittwoch war dann der erste richtige Uni-Tag, ich habe eine, um einiges weniger einschüchternde, Vorlesung in Geschichte erledigt und sass dann versehentlich zwei Stunden lang in einer Vorlesung
über französische Grammatik, weil ich das falsche Zimmer erwischt hatte und mich dann nicht mehr traute, den Raum zu verlassen. Auf dem Heimweg wurde ich schliesslich zur Feier des Tages von
einem heftigen Gewitter überrascht, das sich wirklich wie das Ende der Welt anfühlte. Es hat so heftig geregnet, dass ich vollkommen durchnässt war, bis ich zuhause ankam, es hat gedonnert, dass
die Fensterscheiben gezittert haben und die Strassen haben sich in Flüsse verwandelt. Ich glaube so einen Regen habe ich noch selten erlebt, es hat sich wirklich angefühlt, als würde man unter
einer Dusche stehen! Da ich dann aber zuhause Kleider wechseln konnte, habe ich dieses Schauspiel sehr genossen!
Am Donnerstag stand dann noch einmal ein Arbeitstag für meine Uni in Basel an, zudem habe ich an einer «Free Walking Tour» teilgenommen, um meine neue Heimat etwas besser kennen zu lernen. Das
war nicht nur lehrreich, sondern auch ziemlich unterhaltsam und ich habe noch ein paar spannende Dinge über die Altstadt gelernt, die ich dann meiner Familie erzählen kann, wenn sie mich besuchen
kommen.
Chaos, Chaos und der Sentiero degli Dei
Am Freitagnachmittag bin ich mit einigen anderen Studenten an den Strand gegangen und wir haben
uns mehrere Stunden lang darüber unterhalten, wie chaotisch das Leben hier ist. Es war ein sehr beruhigendes Erlebnis zu erfahren, dass niemand so genau weiss, wann die Uni anfängt, wo man am
Montag zu sein hat oder ob das alles überhaupt irgendwo hinführt. Es bleiben viele Fragen offen… Dafür war aber der Nachmittag am und im Meer sehr schön! Ansonsten habe ich herausgefunden, dass
ich wohl tatsächlich schon als Grossmutter geboren wurde. Am Donnerstag hat mich meine Mitbewohnerin nämlich zu einer Party geschleppt und es war fürchterlich :) Es hat erst um 12 angefangen, sodass ich
schon vor Beginn quasi eingeschlafen bin und dann waren wir in einem vollgestopften Klub, die Technomusik so laut, dass man kein Wort wechseln konnte und ich hatte andauernd entweder eine Hand am
Hintern oder einen Ellbogen im Gesicht. Einfach nur furchtbar! Versteh mich nicht falsch. Ich bin sehr gerne unterwegs und habe auch gar nichts gegen Alkohol, aber meine Traumparty findet eher im
kleinen Rahmen statt, wo man sich auch noch unterhalten kann und sich wirklich kennen lernen kann. An die 20 Leute, die mir in diesem Klub ihren Namen und ihre Nationalität zugebrüllt haben, habe
ich nämlich nur eine verschwommene Erinnerung, und das obwohl ich komplett nüchtern war! Ich bin also eher der «Ein Glas Wein auf der Veranda» Typ und weniger der Klub-Tänzer. Ich hasse es auch,
wenn sich dann plötzlich so Kreise bilden und irgendein Witzbold mich in die Mitte zehrt. Ich bin keine gute Tänzerin, ich hasse diese Aufmerksamkeit und ich versuche Körperkontakt so gut als
möglich zu vermeiden, daher sind diese Augenblicke für mich die Ausgeh-Hölle. Wenig erstaunlich habe ich diesen Klub schon nach kurzer Zeit verlassen und bin schlafen gegangen, wenn auch nicht
ohne schlechtes Gewissen. Aber muss ein Erasmus-Semester wirklich eine Never-Ending-Party sein? Ich hoffe doch, dass dem nicht der Fall ist, ansonsten bin ich hier grausam fehl am Platz…
Da ich nicht allzu spät ins Bett bin, hatte ich am Freitag dann die Energie, mir eine Friday-For-Future Demonstration anzusehen, ein wirklich eindrückliches Erlebnis! Ich bin schwer beeindruckt
davon, wie viele junge Leute da waren und wie aufwändig die Plakate teils gestaltet waren! Gegen Mittag brauchte ich dann aber ein Time-Out, weil es in meinen langen Hosen einfach unerträglich
heiss wurde!
Das Highlight der Woche war dann eine Wanderung auf dem «Sentiero degli Dei», ein wirklich atemberaubender Weg der hoch über dem Meer beginnt und dann mit einem abenteuerlichen Abstieg über
einige hundert Stufen bis hinunter ans Wasser geht. Der Ausblick über die Amalfiküste war fantastisch, auch wenn wir am Anfang noch tief in einer Wolke steckten. Es war schliesslich dann auch
doch eine ziemliche Wanderung, inklusive Picknick auf einem hübschen kleinen Dorfplatz. Ich bin mit einer Erasmus-Gruppe unterwegs gewesen, was auch etwas verstörend war, weil wir so viele Leute
waren, aber eben auch super um neue Menschen kennen zu lernen. Es waren zwar sehr viele Studenten da, die Spanisch gesprochen haben, aber das hat dazu geführt, dass wir Anderen uns schon alleine
über die Sprache gefunden haben. Nach dem Abstieg belohnte uns dann das hübsche Dörfchen Positano und glasklares Wasser. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang machten wir uns dann auf dem
Heimweg, was allerdings eine eher langwierige Angelegenheit wurde, da wir im Verkehr hängen geblieben sind, aber schlussendlich sind wir trotzdem alle gut nach Hause gekommen. Alles in allem war
es eine wunderschöne Wanderung, bei der ich erst noch sehr nette Menschen kennen gelernt habe!
Die weltberühmte Pizza
In der einen Woche, in der ich jetzt im warmen Italien wohne, hat sich doch schon einiges
ereignet. Das Leben im Hostel hat zum Beispiel dazu geführt, dass ich mit einer jungen Frau aus Neuseeland übernachtet habe, mit der ich spontan zum Pizzaessen ausgegangen bin. Wir waren in dem
offenbar sehr berühmten Pizzaladen Sorbillo, bei welchem man eine ganze Weile anstehen muss, um einen Platz zu bekommen. Die Pizza war aber wirklich fantastisch! Beim Essen haben wir dann auch
noch herausgefunden, dass eine sehr gute Freundin von mir bei ihr in Neuseeland Couchsurfing gemacht hat. Wir haben über diesen Zufall sehr gelacht!
Darüber hinaus bin ich sehr viel in der Stadt herumgelaufen, habe das eine oder andere Gelato gegessen (ich mache mir etwas Sorgen um meine Figur… :)) und bin total etwa 115'100 Schritte gelaufen. Ich habe mir noch kaum eine Kirche oder ein Museum von Innen angesehen, bin aber
schon an ganz vielen spannenden Gebäuden vorbei gelaufen, an dem etwas seltsamen Stadtfeiertag San Gennaro teilgenommen (angeblich verflüssigt sich das Blut dieses Heiligen zweimal im Jahr und
wenn dies nicht passiert, droht der Stadt ein Unglück. Ich glaube aber das wir jetzt wieder für eine Weile sicher sind :P)
Ich habe mich im Hostel so häuslich eingerichtet, wie das eben möglich ist, wenn man nicht einmal einen Nachttisch hat, habe ein paar weitere Studenten getroffen und mich versichert, dass die
Universität tatsächlich existiert. Ansonsten bleibt aber auch noch vieles einigermassen unklar und es kostet alles noch ziemlich viel Nerven. Aber ich bin ja hier um etwas zu erleben, also sollte
ich mich wohl nicht beklagen. Allmählich lassen aber immerhin die Zweifel nach, ob ich nicht vielleicht doch besser einfach Zuhause geblieben wäre. Ich bin niemand, der sich mit Veränderungen
super leicht tut, der sich aber dafür schnell langweilt (super Kombination :)) Lustigerweise
vermisse ich auch hier wie in Norwegen mein Hobby, den Turnverein, und die verrückten Leute dort am Meisten. Natürlich vermisse ich auch meine Familie, vor allem meine Schwester, aber mit ihnen
kann ich telefonieren und werde sie ja bald auch schon wiedersehen (ich freue mich!)
Nach einigen weiteren Tagen möchte ich nun noch ein paar Punkte zu meinem Portrait von Napoli hinzufügen: Öffnungszeiten, Ampeln und Fahrverbote sind hier eher Empfehlungen oder Ideen, als
tatsächliche Regeln. Selbst an der Uni, also einem doch ziemlich offiziellen Büro, kann es passieren, dass sie eigentlich schon seit einer Stunde da sein sollten, man aber trotzdem vor
verschlossenen Türen steht. In der verkehrsbefreiten Altstadt muss man trotz vielen Verbotstafeln immer damit rechnen, über den Haufen gefahren zu werden und bei Grün blindlings über den
Fussgängerstreifen zu laufen ist schlicht lebensmüde! Trotzdem macht das Gewuschel auch eine Menge Spass. Mit der Arbeitsmoral der Napolitaner tue ich mich allerdings noch etwas schwer, wenn man
etwas braucht, dauert alles immer ewig… Ich war jetzt in drei Tagen schon viermal an der Uni, um irgendwas hinzubringen (Foto, Kopie des Passes etc.), war dann jeweils fünf Minuten da und wurde
dann weggeschickt mit den Worten «komm morgen wieder». Mal sehen ob das alles geklärt ist, bis die Vorlesungen wirklich anfangen.
Um die Einzigartigkeit dieser Stadt schliesslich noch etwas in Zahlen zu fassen:
-In der Stadt wohnen knapp eine Million Einwohner, im Ballungsgebiet über 4,4 Millionen
-Mit 8500 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Neapel zu dem am dichtesten besiedelten Städten Europas
-Neapel besitzt einen der wichtigsten Häfen Italiens
Und zum Abschluss noch ein Zitat aus dem Dumont-Heft zum Golf von Neapel:
«So wird der Bummel durch die Gassen ein Abenteuer für alle Sinne, ein Eintauchen in den Bauch der Stadt, die viel von de Geschäftstüchtigkeit Hongkongs und dem unentwirrbaren Chaos von Delhi
besitzt, doch immer einzigartig ist.»
Meinen persönlichen Schmunzel-Moment zum Thema Irrsinn hatte ich, als ich heute den Dom besucht habe. Ein Priester (ich nehme man an es ist einer) hat den Besuchern die oben bereits erwähnten Blutampullen an die Stirn gehalten, es wurde viel bekreuzigt, gebetet und geküsst. Ich selbst habe mich für eine ganze Weile in eine der Kirchenbänke gesetzt und das Treiben beobachtet. Plötzlich geht nun ein Schweizer Pärchen an mir vorbei und er sagt zu ihr: "Also das verstehe ich nun wirklich nicht" Ich musste mir wirklich das Lachen verkneifen!
Napoli- erste Eindrücke
Nach fast einer Woche in Neapel wird es wohl Zeit für ein erstes Resümee. Diese Stadt ist wirklich verrückt!
Voll und ganz! Aber was kann man schon von einer Stadt erwarten, die nicht nur ihre Pizza und frittierten Meeresfrüchte liebt, sondern es auch für angebracht hält, Pizza zu frittieren! Ich konnte
meinen Augen nicht trauen!
Ich war schon lange nicht mehr in einer Stadt, in der es so wenige Touristen hat und dafür so viele Studenten. Natürlich hat es auch hier Touristen, aber es begegnen einem nicht auf Schritt und
Tritt Asiaten, die mit Schirmen wedeln und von einer ganzen Schaar fotografierender Touristen verfolgt werden und man hört auch deutlich mehr Italienisch als andere Sprachen. Studenten hat es
dafür aber sehr viele, viel mehr als ich aus meiner Schweizer-Erfahrung vermutet hätte (wo Neapel nicht gerade hoch im Kurs steht) An jeder Ecke gibt es Druckereien, die ihre Spezialangebote für
das Drucken von Arbeiten anbieten.
Napoli ist zudem wunderschön, ein atemberaubendes, verwinkeltes, bröckelndes Freiluftmuseum. Die Stadt ist natürlich an gewissen Ecken eher heruntergekommen und natürlich liegt Abfall herum, aber
zu meiner Überraschung auch nicht schlimmer als in anderen Städten. Ich habe aber auch noch lange nicht die ganze Stadt gesehen und viele Probleme sind vermutlich auch nicht einfach sichtbar,
trotzdem hätte ich mir die Stadt abgefrackter vorgestellt.
Gerade das Gebiet, in dem ich wohne, also die Altstadt, ist unfassbar verwinkelt und ich verlaufe mich immer noch, obwohl ich eigentlich einen guten Orientierungssinn habe für Gebiete, die ich
ein bisschen kenne. Aber nicht hier. Es gibt dafür auch sehr viel zu sehen und es lohnt sich verloren zu gehen. Ich bin zu verschiedenen Teilen von dieser Stadt fasziniert, schockiert,
abgeschreckt und angezogen. In jedem Fall ist sie einen Besuch wert und ich bin mit meiner Stadtwahl doch sehr zufrieden. Das einzige, was sich jetzt noch als echte Herausforderung herausstellt,
ist das Neapolitanische. Diese Regionalsprache hat nämlich nicht allzu viel mit Italienisch zu tun, sondern ist vielmehr eine Mischung aus Französisch, Italienisch und Spanisch, entstanden durch
die verschiedenen Mächte die diese Stadt besetzt hatten. Klingt zwar lustig, ist aber fast nicht zu verstehen.
Erst einmal ankommen
Mein Auslandsemester beginnt gewissermassen mit einem Wunder. Meine Reise, die um kurz nach 8 in
Chur begann, endet mit gerade einmal fünf Minuten Verspätung! Und das nach fast 1000km Reise und gut 10 Stunden Zugfahrt. Ich bin schwer beeindruckt. Dass ich danach statt in die U-Bahn beinahe
in einen Regionalzug nach Salerno eingestiegen wäre, hätte meine Reisezeit dann allerdings wieder massiv in die Länge gezogen, aber so weit ist es zum Glück nicht gekommen. Stattdessen habe ich
danach meine Berge an Gepäck über das unebene Kopfsteinpflaster geschleppt und bin dann völlig verschwitzt in meinem Hostel angekommen. Die erste Nacht war alles andere als erholsam, mitten in
der Nacht wurde draussen im Hof in aller Lautstärke geplaudert und später dann sogar noch Altglas entsorgt. Da ich aber relativ früh ins Bett gegangen bin, war ich am Morgen dann doch
einigermassen ausgeruht und machte mich auf die Suche nach einem Frühstück. Ein klebriges Gipfeli später hiess meine nächste Mission dann das Beschaffen einer neuen Unterkunft. Was damit endet,
dass ich jetzt wohl für die nächsten 14 Wochen fix in einem Hostelzimmer mit drei anderen Studenten zusammenwohnen werde. Im ersten Moment hat mich dieser Gedanke ein bisschen in Panik versetzt,
keine Privatsphäre, eine ziemlich schmutzige Küche (als ob ich das nicht aus der Schweiz kennen :) ), keinen einzigen Schrank, um meine Sachen zu versorgen. Von einer abschliessbaren Tür gar nicht erst zu sprechen. Aber die Alternative
wäre gewesen, für den dreifachen Preis in eine Baustelle zu ziehen, wo ich zwar immerhin ein eigenes Zimmer gehabt hätte, aber dafür möglicherweise kein Badezimmer. Also habe ich beschlossen,
diese 400 Euro im Monat einzusparen und lieber für Ausflüge in die Umgebung und gutes Essen zu investieren. Hoffentlich bereue ich diese Entscheidung nicht...
Auch ansonsten befinde ich mich im Moment noch ziemlich weit ausserhalb meiner Komfort-Zone, was aber auch nicht gerade allzu überraschend ist. Ich weiss jetzt zwar immerhin wo ich die nächsten
drei Monate wohnen werde und wann die Uni anfängt (am 30.9.) aber ansonsten bleiben noch ziemlich viele Fragen offen. Ich muss mir da auch immer wieder klar machen, dass ich am Ende nichts
verlieren kann, höchstens ein paar Nerven, und so viel zu gewinnen. Es war schliesslich mein Ziel, in ein Abenteuer zu starten und hier bin ich nun und jammere über alles, was nicht so ist wie
zuhause. Ich gebe mir aber auch noch etwas Zeit, um anzukommen, denn ich weiss, dass ich niemand bin, der wahnsinnig gut mit Veränderungen kann. Zudem ist es sehr warm (ich habe noch keinen
einzigen Pullover oder eine lange Hose angezogen!) und die Sonne scheint, das Meer in Reichweite. So viel kann da ja schon einmal nicht schiefgehen!Ein kleines Highlight gab es dann auch schon an meinem zweiten Abend, meine Zimmerkollegin hat mich zu einer Silent Party
mitgenommen, eine echt seltsame Veranstaltung, an der ich aber auch viele andere Erasmus-Studenten kennen gelernt habe.
Vorfreude und Ängste
Die Zeit verfliegt und in wenigen Tagen wird es Zeit für ein neues grosses Abenteuer: Ich fahre für ein
Auslandsemester nach Italien.
Ich freue mich sehr auf dieses Abenteuer und ich freue mich auch, dich, geschätzten Leser, auf diese Reise mitzunehmen.
Bevor es losgeht, möchte ich aber noch ein paar Gedanken loswerden. Ich freue mich sehr auf die nächsten knapp vier Monate und bin sehr gespannt, was ich wohl alles erleben werde. Vieles ist im
Moment noch etwas unklar, typisch Italien, aber ich bin zuversichtlich, dass sich alles klären wird. Ich freue mich auf einen warmen Herbst am Meer, spannende Begegnungen, neue Freundschaften.
Ich freue mich darauf mein Italienisch zu verbessern, Ängste zu überwinden und zu lernen.
Natürlich mache ich mir aber auch Sorgen. Ich freue mich nicht zu gehen, denn ich hasse Abschiede, wenn sie auch nicht für allzu lange sind. Ich bin auch etwas in Sorge, wie gut ich an der Uni
dann wirklich mitkomme, ob ich nette Menschen kennen lernen werde, ob ich zurechtkomme. Sich dazu zu entschliessen, alles Bekannte hinter sich zu lassen und in einem fremden Land etwas ganz Neues
zu beginnen, wenn auch nur für eine Weile, ist immer etwas unheimlich, aber ich versuche erst gar keine Sorgen aufkommen zu lassen, denn ich habe auch gelernt, dass Probleme sich meistens ganz
gut lösen lassen, wenn man denn in die Situation kommt. (Aber leichter gesagt als getan, ich weiss…) Aber ich bin ja schon einmal für drei Monate unterwegs gewesen (meine Blogs aus Norwegen
findest du auch auf meiner Webseite) und habe festgestellt, dass die meisten meiner Ängste vollkommen unbegründet waren.
In diesem Sinne: Auf zu neuen Ufern!
Rodmar (Samstag, 15 Juni 2019 11:49)
Ich wollte auch schon immer einmal nach Norwegen und mir dort eine der Schönsten und Ältesten Bauwerke ansehen. Vielleicht könntest Du mir eventuell ein Bild zur Verfügung stellen mit einer Stabkirche darauf.
Normal mit Bürgerlichen Namen heiße ich Alfred aber die meisten nennen mich Rodmar.
Danke für Deine Seite und für Deine Erlebnisse.
Mange Takk.
Renata (Dienstag, 21 Mai 2019 17:34)
Danke für deinen Beitrag zum Frauenstreik. Vor allem wir Frauen können viel dazu beitragen, dass die Welt ein lebenswerter Ort ist und bleibt :-)
Alessa (Mittwoch, 25 Oktober 2017 09:35)
Sitza grad im Zug nach SG und han recht schmunzla müassa. Naja statt "glernt" han i was sinnvolls gmacht ;) ein Tipp mini liabst Schualkollegin, gang an Zug spöter denn sinds nid aso volla^^ so han is nämlich hüt gmacht. I bin jo gespannt was no für wieteri tolli gschichta uf üs zua kömmend �
Lara (Mittwoch, 31 August 2016 14:29)
Freut mi sehr, dass du mini analysa über d Zugfahrer so ernst gnu hesch ;)) Lgl